Tierpark Herberstein: BZÖ könnte für ÖVP neues Pachtmodell retten

25. Mai 2005, 20:39
posten

Hitzige Debatte im Landtag und rettenden Einstieg des Landes - SPÖ wirft Klasnic "Management by Chaos" vor

In Wahlkampfzeiten wird auch ein Tierpark zum Gegenstand hitziger Debatten. So geschehen am Dienstag im Grazer Landtag, der nun - nach der Landesregierung - mit der Übernahme des Tier- und Naturparks Herberstein befasst ist. Die ÖVP nutzte eine "Aktuelle Stunde", um aus der Defensive heraus, in die sie in den vergangenen Wochen geraten war, ein neues, für das Land günstigeres Angebot zu unterbreiten. Das BZÖ bot sich als Mehrheitsbeschaffer an.

Die in der Causa Herberstein in Bedrängnis geratene Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V), legte ein überarbeitetes Pachtmodell vor, dass durch Kooperationen für das Land billiger wird und statt der 20-jährigen Bindung eine einseitige Ausstiegsklausel nach fünf Jahren vorsieht. Klasnic beklagte sich, dass "Vorurteile und Gerüchte so lange weitergereicht werden, bis niemand mehr unterscheiden kann, was wirklich stimmt". Tatsache sei, so Tourismus-Landesrat Hermann Schützenhöfer (V), dass dem "touristischen Flaggschiff" das "Aus" drohe - was die ÖVP verhindern wolle. Schwere Geschütze fuhr er gegen die SPÖ auf - sie betreibe eine "Schmutzkübelkampagne" und gehe in "menschenverachtender Weise" mit der Regierungschefin um.

"Management by Chaos"

Die SPÖ dachte hingegen nicht daran, ihre kritische Haltung aufzugeben. Obwohl man in einem Landtagsbeschluss grundsätzlich für einen Einstieg des Landes votiert hatte, mobilisiert man gegen einen "sittenwidrigen" Vertrag, der darauf hinauslaufe, dass man schon subventionierte Einrichtungen über die Pacht noch einmal ablöse. Im Hintergrund schwingt immer der unausgesprochene Verdacht mit, "die Gräfin" (Andrea Herberstein, Anm.) würde dadurch begünstigt. Das neue Modell der ÖVP quittierte man mit: "Jeder Tag beginnt mit einem neuen Vorschlag". Die Vorgangsweise bestätige abermals das von der ÖVP praktizierte "Management by Chaos".

Die Grünen wiederum hielten der ÖVP vor, sie sei "getrieben von den Folgen ihrer eigenen Fehler" und stellten die Frage, warum erst jetzt mit dem Druck der Öffentlichkeit ein für das Land besserer Lösungsvorschlag vorgelegt werde. Unter der Voraussetzung einer Bestandsaufnahme könne man sich aber eine "Kooperation" zwischen Landesmuseum Joanneum und dem Tierpark-Besitzer, der Herberstein OEG, vorstellen.

Wenn der modifizierte Regierungsantrag voraussichtlich noch vor dem Ende der Legislaturperiode und damit wahrscheinlich vor der Sommerpause ins Plenum kommt, dürfte zumindest das BZÖ mit der ÖVP stimmen und ihr damit die Mehrheit sichern. Das ließ zumindest BZÖ-Klubchef Franz Lafer in seiner Wortmeldung klar erkennen. (APA)

Share if you care.