PKW-Road-Pricing statt Vignette?

11. Juli 2005, 17:31
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Internationale Experten bezeichnen Pauschal-Maut als unfair - Staatssekretär Mainoni winkt ab

Wien - Nach der neu aufgeflammten Debatte um eine Pkw-Maut in Österreich hat sich nun auch der Verband der Europäischen Autobahnen ASECAP für eine kilometerabhängige Maut statt der derzeit geltenden Vignette ausgesprochen.

Eine Vignette sei an sich "unfair", weil jemand, der wenige Kilometer fahre, genauso viel zahlen müsse, wie ein Autofahrer auf einer wenige Kilometer langen Kurzstrecke, erklärte ASECAP-Präsident Remy Chardon am Montag am Rande einer internationalen Konferenz in Wien.

ökonomisch und finanziell effizienteste System

Die leistungsabhängige Maut dagegen sei das ökonomisch und finanziell effizienteste System, um die Erhaltung und den Ausbau von Autobahnen sicherzustellen. Abgesehen davon werde dadurch auch die effiziente Wahl eines Verkehrsträgers sichergestellt, sprich gegebenenfalls auch der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel gefördert, betonte Chardon.

Das Verkehrsministerium bleibt dennoch dabei, dass eine Pkw-Maut statt der Vignette nicht zur Debatte stehe. Nachdem die Autobahngesellschaft keinen zusätzlichen Finanzierungsbedarf habe, sprich die derzeitigen Finanzierungspläne auf Basis der Lkw-Maut und der Pkw-Vignette halten würden, gebe es keinen Bedarf, eine Kilometermaut einzuführen, betonte Verkehrsstaatssekretär Eduard Mainoni (B) am Montag einmal mehr.

ASECAP-Präsident Chardon meint dazu: Jedes Land habe "seine eigene Logik". Aber Österreich habe schon mit der Einführung der Lkw-Maut einen "beeindruckenden Schritt" getan. Immerhin würde die Maut anders als in Deutschland nicht erst für Lkw ab 12 Tonnen, sondern schon ab 3,5 Tonnen gelten. In Sachen Pkw-Maut respektiere er die Ansicht der österreichischen Regierung.

Lob für LKW-Maut

Lob gab es von höchster europäischer Verkehrsstelle auch für die technische Umsetzung der Lkw-Maut in Österreich. Die Funktionstüchtigkeit des heimischen Mikrowellen-Systems sei "beeindrucken", betonte der derzeitige Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Europaparlament, Paolo Costa.

Die EU arbeite zwar an einer Harmonisierung der europäischen Mauten in Richtung eines Satelliten-gestützten Systems, wie es seit Jahresbeginn in Deutschland läuft. Fristen oder ein Verpflichtung für den Umstieg auf das Satellitensystem gebe es aber - entgegen ersten Plänen - derzeit nicht, betonte Costa.

Das Satelliten-System sei aber noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Eine definitive Entscheidung für die Technik sei frühestens in zwei, drei Jahren zu erwarten.

Regierung winkt ab

Staatssekretär Mainoni schließt mittelfristig einen Systemumstieg in Österreich nicht aus. Vorerst sei man mit dem Mikrowellen-System aber "sehr zufrieden". Die Investitionen hätten sich bereits binnen weniger Wochen zu rechnen begonnen. Daher werde man das System zumindest "vorerst beibehalten", so Mainoni. (APA)

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