Liverpool oder Milan? - Schachner: "Mir egal"

25. Mai 2005, 16:37
4 Postings

Am Mittwoch wird der Champion gekürt - Der GAK könnte nach seinem Europacup-Sieg an der Anfield Road als Vorbild für Milan gelten

Graz - Eigentlich könnte AC Milan-Trainer Carlo Ancelotti vor dem Finale in der Fußball-Champions-League gegen Liverpool am Mittwoch Walter Schachner um Rat fragen. "Aber angerufen hat er bisher noch nicht", schmunzelte der ehemalige Meistermacher des GAK, der den englischen Rekordmeister im vergangenen August in der Qualifikation für die Eliteliga 1:0 besiegt hatte.

Der Erfolg an der Anfield Road war der erste Bewerbsspiel-Sieg eines österreichischen Klubs auf englischem Boden überhaupt und gleichzeitig die einzige Europacup-Heimniederlage der "Reds" in dieser Saison. Nur Olympiakos und Monaco haben gegen den Verein aus der Beatles-Stadt - allerdings jeweils vor eigenem Publikum - gewonnen. Zuletzt schieden der italienische Meister Juventus und der neue englische Titelträger Chelsea gegen Liverpool ohne Sieg aus.

"Tagesverfassung entscheidend"

"Dieser Erfolg hat uns Lob und Anerkennung in ganz Europa gebracht und ist eine große Auszeichnung für die Mannschaft", sagte Schachner, für den die Mailänder leichter Favorit sind. "An einem guten Tag sind sie das spielerisch bessere Team. Aber im Endspiel kommt es auf die Tagesverfassung an", meinte "Schoko", der Ancelotti aus seiner aktiven Zeit in Italien noch als Gegenspieler kennt. Außerdem war Schachner zuletzt im Dezember 2003 für einige Tage zu Besuch bei Milan, unter anderem, um Lehren aus den Trainingsmethoden von Ancelotti zu ziehen.

"Ich mag beide Vereine"

Doch trotz seiner bekannten Affinität zu Fußball-Italien drückt der GAK-Trainer nicht für Milan die Daumen. "Mir ist es völlig egal, wer gewinnt. Ich mag beide Vereine." Im Falle eines Liverpool-Triumphs bliebe den Grazern immerhin der Trost, in der Champions-League-Qualifikation am späteren Sieger gescheitert zu sein.

Der Wahnsinn Europacup

Zwar hat der GAK durch die internationalen Erfolge in Europa an Ansehen gewonnen, allerdings waren die gelungenen Auftritte im Europacup laut Schachner auch der Grund für die zwei verlorenen Titel auf nationaler Ebene. "Wir mussten zehn Europacup-Spiele absolvieren, das ist Wahnsinn. Rapid dagegen konnte sich voll auf die Meisterschaft konzentrieren", erklärte Schachner.

Lernphase

Die Doppelbelastung habe bei seinen Spielern mehr psychische als physische Verschleißerscheinungen zur Folge gehabt. "Das war auch eine Lernphase. Aber in Zukunft darf es keine Rolle mehr spielen, ob wir vor 40.000 Fans an der Anfield Road oder vor ein paar hundert Zuschauern in der Südstadt spielen. Die Spieler sind Profis und müssen immer ihre Leistung bringen", forderte Schachner.

Vorerst konzentriert sich der GAK noch voll auf den Vize-Meistertitel, nach Saisonende sollen die Ziele für die kommende Saison festgelegt werden - laut Schachner mit einer Mannschaft, der sämtliche Leistungsträger erhalten bleiben. "Ich sehe keine Gefahr, dass wir unsere Schlüsselspieler verlieren. Alles, was es bisher gibt, sind Gerüchte. Wenn aber wer gehen sollte, haben wir Alternativen im Kopf und auch schon Verhandlungen geführt." (APA)

Share if you care.