Der Super-Airbus aus medizinischer Sicht

28. Mai 2005, 11:00
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Größe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass medizinische Notfälle eintreten - falls Notlandung erforderlich, ist nicht jeder Flughafen dafür geeignet

London - Die Frage, was eigentlich passiert, wenn es im neuen Super-Airbus A380 zu einem medizinischen Problem eines Passagiers kommt, sind Experten des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" auf den Grund gegangen. Sie kommen zum Schluss, dass dabei einige Fragen unbeantwortet bleiben.

"Klassische" Ausstattung

Der etwas späte Jungfernflug des gewaltigen Flugzeuges stand ganz im Zeichen der neuen Technologie und des Handlings des Jets, der immerhin eine um 15 Meter größere Flügelspannweite hat als sein kleinerer Konkurrent Boeing 747-400. Wie weggewischt sind die einstigen Komfortankündigungen, dass über den Wolken Bars, Beauty-Salons, Doppelbetten und sogar Fitnessräume sein sollen.

In Zeiten, in denen Fluggesellschaften knallhart kalkulieren, wird der Superjumbo nämlich auch nicht mehr bieten als alle anderen Flugzeuge: Sitze. Und zwar mindestens doppelt so viele wie die meisten Flugzeuge, die heute transkontinental unterwegs sind.

Zahlenspiele

Experten rechnen vor, dass sich das Risiko eines medizinischen Notfalls im Flug dadurch verdoppelt - unter anderem auch dadurch bedingt, dass die Zahl der älteren Passagiere immer größer wird. Nach Hochrechnungen in einem britischen Regierungsbericht war das Risiko im Jahr 2000 bei 1 : 1400. Eine jüngere US-amerikanische Studie spricht sogar davon, dass acht Prozent der Vorfälle an Bord dazu führen, dass Flugzeuge zum nächstgelegenen Flughafen umgeleitet werden.

Entscheiden darüber muss der Kapitän. Und genau hier gebe es das Problem mit dem A380: Er ist mit seinen 80 Meter Flügelspannweite zu groß und zu schwer für die meisten Airports. Insgesamt werden nämlich nur 20 Flughäfen weltweit für dieses Flugzeug adaptiert.

Die Antwort darauf und die Kritik daran

Airbus-Sprecher weisen die Kritik aber zurück. Im Falle eines medizinischen Notfalls müsste das Flugzeug nur etwas abseits von nicht adaptierten Terminals zum Stillstand kommen. Die herkömmlichen Gangways würden ausreichen, um am ersten Deck die Passagiere zu erreichen.

Joan Sullivan Garrett, CEO von Medair, einem Unternehmen, das medizinische Assistenz für die 80 größten Fluggesellschaften anbietet, kritisieren die Argumente von Airbus. "Piloten sind für das Wohl der Passagiere verantwortlich. Eine Umleitung eines Passierflugzeugs auf einen unpassenden Flughafen ist sehr problematisch", so die Expertin, die auf eine Reihe solcher Fälle verweist.

Einführung eines Bordarztes?

Umgekehrt sehen andere Luftfahrtkenner im neuen Jet eine neue Ära der Sicherheit für den Passagier: Wenn so viele Menschen an Bord sind, würde das Vorhandensein eines Arztes oder zumindest einer geschulten medizinischen Betreuung fast notwendig. Farroll Khan vom Aviation Health Institute in Oxford sieht die Notwendigkeit eines Arztes bei einer solchen Passagierzahl jedenfalls als essenziell. Lediglich die Fluggesellschaften haben sich dazu noch nicht geäußert.

Der Traum von einem Langstreckenflug in einem "fliegenden Hotelzimmer" mit allem erdenklichen Komfort dürfte aber wohl ausgeträumt sein. Die meisten Gesellschaften, die einen A380 geordert haben, warten derzeit gespannt, wann der erste Flieger mit der Zulassung die Hallen in Toulouse verlassen wird. Das könnte, so Airbus, etwas länger als geplant dauern. (pte)

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