Notwendiger Umbau von Institutionen

Redaktion, 23. Mai 2005, 20:46
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In welchem Ausmaß ist Steuerung in modernen komplexen Gesellschaften überhaupt möglich?

Institutionen gelten in modernen Gesellschaften als zentrale Vermittlungsinstanzen zwischen Individuen und Gesellschaft. Oft steht dabei der funktionale Effekt von Institutionen im Vordergrund, also die Möglichkeit, über Normen, Konventionen, Regeln oder Gewohnheiten eine regulative und steuernde Wirkung zu erzielen. Die Steuerungsfähigkeit einer Gesellschaft ist eng mit dem Funktionieren der bestehenden Institutionen verknüpft.

Die Realisierungschancen einer nachhaltigen Entwicklung sind eng mit der Frage der gesellschaftlichen Steuerungsfähigkeit verknüpft. In welchem Ausmaß Steuerung in modernen komplexen Gesellschaften aber überhaupt möglich ist, gilt in zunehmendem Maße als umstritten, klare Antworten und Konzepte fehlen. Trotz solcher Unsicherheiten, die in neueren Veröffentlichungen als ambivalentes Verhältnis zwischen der Modernisierung von Gesellschaften und ihrer Gestaltbarkeit beschrieben werden, ist offensichtlich, dass zur Beeinflussung individuellen und kollektiven Verhaltens gesellschaftliche Institutionen unumgänglich sind. Aus diesem Grund verlagert sich auch die Diskussion um Nachhaltige Entwicklung verstärkt von den inhaltlichen Zielen, hin zur Frage, auf welche Art und Weise diese Ziele zu erreichen sind.

Zentrale Herausforderungen im vorigen Jahrhundert

Für Minsch et al. ist die bestehende Institutionenlandschaft eine Reaktion auf die zentralen Herausforderungen der fünfziger und sechziger Jahre. Die großen gesellschaftspolitischen Themen des 20. Jahrhunderts waren die Überwindung der Mangelwirtschaft (ökonomische Frage), die Garantie der Vollbeschäftigung (soziale Frage) und die Bannung der politischen Gefährdung durch Diktaturen (demokratische Frage). Die institutionellen Antworten zur Lösung dieser Fragen lauteten auf nationalstaatlicher Ebene "soziale Marktwirtschaft" und "repräsentative Demokratie" mit entsprechenden institutionellen Arrangements auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen und in den jeweiligen Teilbereichen.

Die bestehenden Institutionen in den westlich orientierten Industrieländern haben jedoch zu einer nicht-nachhaltigen Entwicklung geführt. Zur Bewältigung dieser neuen Herausforderungen muss sich auch die Institutionenlandschaft verändern. Veränderungen und Neuerungen von Regeln werden als Innovationen bezeichnet, wenn sie ein auf bestimmte Weise definiertes Problem besser lösen helfen, als bestehende Institutionen.

Die Gegenwart

Doch wie könnten konkrete Schritte aussehen? Wie könnten grundlegende Prinzipien, wie Selbstorganisation oder Reflexivität, mit weitreichenden Konsequenzen für die bestehende Institutionenlandschaft im Sinne einer Politik der Nachhaltigkeit tatsächlich umgesetzt werden? Und: In welchem Ausmaß wurden sie bereits umgesetzt?

Zweifellos ist in den letzten 10 bis 15 Jahren bereits viel an institutionellem Umbau in Richtung Nachhaltigkeit passiert. Auf lokaler Ebene werden unter Einbeziehung von interessierten BürgerInnen Agenda 21 Prozesse durchgeführt, eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Netzwerken zum Thema Nachhaltigkeit ist entstanden – regional, national, global agierend –, ebenso unüberschaubar sind die Veröffentlichungen zum Thema Nachhaltige Entwicklung, Forschungsprogramme wurden eingerichtet, die auch institutionell in neue Richtungen weisen (Stichwort Transdisziplinarität), Indikatorensysteme und Evaluationsmethoden wurden entwickelt, nationale Nachhaltigkeitsstrategien und damit verbundene neue institutionelle Konfigurationen aufgebaut und vieles mehr.

Probleme weiter gewachsen

Trotz beachtlicher Veränderungen in gesellschaftlichen Teilbereichen zeigen uns gerade die neu eingerichteten Indikatorensysteme, dass die ökologischen und sozialen Probleme in vielen Bereichen weiter zugenommen haben. Auch WissenschafterInnen stehen den bisherigen Erfolgen eher skeptisch gegenüber und orten vor allem im Bereich der etablierten Politik weiteren Handlungsbedarf.

Zwei ausführliche Positionspapiere von Prof. Dr. Karl-Werner Brand und Prof. Dr. Helge Majer ergänzen und kontrastieren das Monatsthema auf Nachhaltigkeit.at. Links zu Beispielen und auf andere Monatsthemen ergeben eine umfangreiche Materialsammlung, wobei neben wissenschaftlichen Informationen und Praxisberichten die internationalen Aspekte besonders hervorgehoben werden.

Institutionelle Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung sind Thema des Monats Mai 2005 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Die AutorInnen:

Michael Ornetzeder, Judith Feichtinger, Katharina Stebegg, Zentrum für Soziale Innovation

Direkt-Link zum Monatsthema 5/2005
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
Sepp Maier
00
24.5.2005, 10:03

die staatsform der demokratie ist ohnedies eine fiktion, paradebeispiel dafür sind die usa.

die masse ist a. nicht interessiert und/oder b. zu bequem und/oder c. schlichtweg zu dämlich, um an mehr oder weniger wichtigen entscheidungsprozessen teil zu nehmen.

Ungläubiger_Thomas
00
24.9.2005, 21:16
und meinungsfreiehit sowieso

die masse an poster ist sowieso nicht daran interessiert außer schwachsinn und defätistischem antiamerikanismus irgendwas anderes rauszulassen, paradebeispiel dafür ist sepp maier

ronin
 
00
24.5.2005, 12:55

paradebeispiel = deutschland und österreich. egal wen du wählst - es ändert sich gar nichts!!!! du hast die wahl eine politkaste zu wählen - egal ob rot, schwarz - sie sind alle gleich. selbst wenn neue parteien dazukommen werden sie schnell ein teil des establishment (siehe fpö - total verfilzt). den grünen in deutschland gehts ned anders....

Mathbau
00
24.5.2005, 11:43

"Von hundert, die von "Menge"
und "Masse" reden, gehören 99 selbst dazu!" Christian Morgenstern

Sepp Maier
00
24.5.2005, 13:23

stimmt! ich bin jedenfalls b. zu bequem, kann sein, dass c. auch zutrifft, interessant wärs ja schon...

bringt eh nix. ich schließe mich (unter hinweis auf g. orwell´s "animal farm") den weisen worten ronins an.

solandre
 
00
23.5.2005, 23:57

nein, die steuerung ist eng mit der partizipation und dem slebstbild - und bewusstsein der partizipanten verknuepft.
die beste demokratie nuetzt nichts, wenn keiner teilnimmt und die entscheidungen einer kleinen elite ueberlaesst.

der standard sollte eine allgemeineres bild im auge behalten wenn er berichtet

01052004
00
24.5.2005, 11:04
naja,

"überläßt". wenn man nicht gefragt wird, wenn sich die elite ihre entscheidungen "zum wohle der allgemeinheit" selbst macht, ist das oligarchie (verbrämt mit dem deckmäntelchen von pseudoentscheidungen).
demokratie heutzutage funktioniert auf so vielen ebenen, daß institutionalisierung, vorausberechenbarkeit (also schubladisierung) nicht möglich sind. es gilt mit und an dieser totalen individualisierung zu arbeiten. das ist mühsam, zeitaufwändig und oftmals vergeblich. da bleiben die eliten schon lieber unter sich, weil sie sie einander abschätzen können. die wirtschaftlichen werden es irgendwie überleben. aber die politischen???

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