Geld für Schulnachmittagsbetreuung gesucht

23. Mai 2005, 20:24
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Städte und Gemeinden wollen Mittel vom Bund - Gehrer: "Man kann nicht alles leisten"

Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) will "die neue Beweglichkeit bei den Schulgesetzen durch den Wegfall der Zweidrittelmehrheit nutzen" - und "familienergänzende" Nachmittagsbetreuung an Schulen und die sprachliche Frühförderung ausbauen. Diese Beweglichkeit kostet aber Geld und dabei spießt es sich, zeigte sich am Montag nach einem Gespräch Gehrers mit Städtebund-Generalsekretär Erich Pramböck und Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer.

Zwar seien Städte und Gemeinden als Schulerhalter der Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonderschule, Poly) zur Mitarbeit beim Ausbau der Nachmittagsbetreuung (ab 15 Schülern muss Betreuung angeboten werden) bereit, wollen aber auch entsprechende Mittel vom Bund dafür. "Versprochen habe ich nichts", stellte Gehrer gleich klar.

Laut Mödlhammer gebe es bei der Nachmittagsbetreuung "Nachholbedarf", aber auch ein großes Problem: "Die Finanzierung." Pramböck rechnete die "gewaltige Belastung für die Schulerhalter" vor: Der Bund finanziere derzeit fünf Betreuungsstunden pro Woche. "Wenn die Volksschule um zwölf Uhr, wir bis 17 Uhr Betreuung anbieten, bleiben für die Gemeinde vier Stunden zu tragen" (mit den Eltern, die maximal 100 bis 120 Euro im Monat zahlen, in Bundesschulen 80 Euro). Umgerechnet auf ein Jahr koste ein Kind, das Nachmittagsbetreuung brauche, die Gemeinden 1000 Euro im Jahr. Macht in Summe bei 10.000 erwarteten Schülern zehn Millionen Euro aus den Kommunalbudgets, für die es vom Bund "keine klaren finanziellen Zusagen gibt".

Weniger als "alles"

Gehrer verwies erneut auf die von ihr schon lange zugesagten acht Millionen Euro für 10.000 zusätzliche Betreuungsplätze. Jetzt müssten Gemeinden und Schulen den Bedarf erheben: "Aber wir können nicht alles leisten."

Der Bedarf an Kinderbetreuung sei spätestens seit der letzten Mikrozensus-Erhebung im Jahr 2002 genau bekannt, entgegnet Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie, im STANDARD-Gespräch. Die Befragung der Eltern habe ergeben, dass in der für die schulische Nachmittagsbetreuung relevanten Altersgruppe von 6 bis 14 Jahren 27.100 Kinder derzeit keinen Betreuungsplatz haben, aber einen bräuchten. 19.400 vorhandene Plätze seien zudem ungenügend. Rechnet man die Kinder unter sechs Jahren dazu, dann fehlen in Österreich insgesamt 48.000 Betreuungsplätze, 42.000 bestehende sind etwa wegen der Öffnungszeiten ungenügend, zitiert Moritz den Mikrozensus. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Print, 24.5.2005)

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