OÖ: Bierboykott wegen Radaranlage

24. Mai 2005, 11:36
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Kein Aus für AustroControl-Projekt am Hochficht

Klaffer - Alles andere als vom Tisch ist das geplante Bauprojekt der AustroControl für eine rund 54 Meter hohe Radaranlage am Hochficht im Böhmerwald im Mühlviertel. Nach einer Bürgerversammlungen am vergangenen Freitag in der Gemeinde Klaffer feierten Anrainer noch den vermeintlichen Erfolg ihrer massiven Proteste gegen die Radarstation im "Natura 2000"-Gebiet. "Die Anlage wird zu 99 Prozent nicht gebaut", zeigte sich der Sprecher der Bürgerinitiative, Josef Pühringer, am Montag siegessicher.

"Von wegen vom Tisch, das Vorhaben ist gerade erst auf den selbigen gekommen", dementiert der stellvertretende Leiter der obersten Luftfahrtsbehörde im Verkehrsministerium, Rolf Neidhardt, auf STANDARD-Anfrage das Platzen des Projekts. Die AustroControl habe vergangenen Mittwoch einen Antrag für das Radarprojekt eingereicht. "Die Unterlagen waren aber unbrauchbar, da relevante Details fehlten", so Neidhardt.

Infos nachreichen

Man habe daher die AustroControl aufgefordert, die entsprechenden Informationen nachzureichen. Vonseiten der AustroControl wollte man diesbezüglich "keine Stellungnahme" abgeben. Kritik wurde auch am "Nahverhältnis" des Verkehrsministerium zur hundertprozentigen Tochter AustroControl laut. "Da kann man nicht mehr von einem fairen Genehmigungsverfahren sprechen. Das ganze Projekt stinkt einfach zum Himmel", kritisiert Bürgersprecher Pühringer.

Ins Kreuzfeuer der Kritik ist auch das Prämonstratenser Chorherrenstift Aigen-Schlägl als Grundeigentümer der radarfreundlichen Liegenschaften geraten. Im Raum steht eine mögliche Verpachtung der Stiftsgründe an die AustroControl.

"Gegen Drohungen"

Grund genug, dass Anrainer jetzt mit einem Boykott des selbst gebrauten "Schlägl-Biers" drohen, sollte das Stift tatsächlich den Vertrag unterzeichnen. "Ich verstehe die Ängste, bin aber gegen solche Drohungen. Wir verpachten die Gründe nur bei entsprechender Bürgereinbindung und einem Gesundheitsgutachten", so Abt Martin Fellhofer zum STANDARD. Gerüchte, dass dem Stift bei einer Verpachtung eine Starkstromleitung und eine neue Zufahrtsstraße "winken", dementierte der Abt. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD – Printausgabe, 24.05.2005)

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