Der Teufel in der Theaterinstallation

23. Mai 2005, 20:17
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Die Geschichte vom Soldaten in der Theo-Studiobühne im steirischen Oberzeiring

Betrachtet man das Bühnenbild zu Strawinskys 1918 verfasstem Musiktheater Die Geschichte vom Soldaten in der Theo-Studiobühne im steirischen Oberzeiring, erscheint es einem zunächst mehr wie eine Rauminstallation und weniger wie die Bretter, die die Welt des dem Teufel verfallenen Soldaten bedeuten. Drei Kriegsfilme zeigende Fernseher stehen neben anderen systematisch im Raum verteilten Gegenständen, im Hintergrund ein Rollstuhl mit einer einbandagierten vermeintlichen Puppe. Die sieben Musiker sind ins Bild eingebunden.

In diesem zunächst schwer entschlüsselbaren zeitlosen Raum lässt Peter Faßhuber, zugleich Leiter des Theaters, die groteske Geschichte von Versuchung, Gewalt, Reichtum und Liebe spielen, wobei die Bühnengegenstände allmählich dekodiert werden. In der Bühnensprache wie in der Personenführung verlässt sich Faßhuber ganz auf die rhythmische Kraft der Musik. Vielleicht zu sehr, denn im Gegensatz zum etwas eckigen, aber ausgesprochen vitalen Klangtheater scheint das Bühnengeschehen oft stillzustehen. Die Darsteller agieren mit viel theatralischer Lust, allen voran Dirk Küpper als barhäuptiger Teufel im Business-Outfit. Seine Rolle ähnelt der eines Marketingmanagers, der den von Werner Halbedl konventioneller dargestellten Soldaten durch Verheißungen des Erfolgs zunächst in Schuld und dann in sein Verderben lockt. (spoula/DER STANDARD, Printausgabe, 24.05.2005)

Theo-Studiobühne
8762 Oberzeiring
03571/200-43
Bis 8. 6., 20 Uhr
  • Das Lebhafte in der Puppe (Julia Faßhuber) findet Werner Halbedl in "Die Geschichte vom Soldaten".
    foto: theo studiobühne

    Das Lebhafte in der Puppe (Julia Faßhuber) findet Werner Halbedl in "Die Geschichte vom Soldaten".

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