Wächterrat räumt unter Kandidaten auf

24. Mai 2005, 15:54
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Bei den Wahlen im Juni wird das Reformlager keinen Kandidaten haben: Er wurde vom Wächterrat eliminiert

Bei den iranischen Präsidentschaftswahlen im Juni wird das Reformlager keinen Kandidaten haben: Er wurde vom Wächterrat eliminiert. Die Reformer verlangen eine Revision der Entscheidung und drohen mit Boykott.

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Nur sechs von mehr als tausend sind übrig geblieben: Und auch der Kandidat der iranischen Reformer für die Präsidentschaftswahlen am 17. Juni, Mostafa Moien, wurde vom Wächterrat abgelehnt. In einem kurzen Kommuniqué gab das mächtige konservative Gremium am Sonntagabend, eine Woche früher als erwartet, seine Entscheidung bekannt. Neben dem früheren Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsandjani und dem früheren Parlamentspräsidenten Mehdi Karrubi gibt es vier konservative Bewerber um das Präsidentenamt.

Die iranischen Reformer haben nun keinen direkten Kandidaten mehr, ein Teil von ihnen wird den früheren Parlamentspräsidenten Mehdi Karrubi unterstützen, ihr rechter Flügel hingegen Rafsandjani. Es gibt aber auch Boykottdrohungen für den Fall, dass der Wächterrat seine Entscheidung nicht zurücknimmt. Mohammed Reza Khatami, der Chef der Mosharekat-Partei, der stärksten politischen Gruppe der Reformer, hatte den Boykott der Wahlen durch die Reformer in einem Interview schon kurz vor Bekanntgabe der Kandidatenliste durch den Wächterrat angekündigt.

Von den vier konservativen Bewerbern zählen drei zur jungen, radikalen Garde und dem militärischen Arm der Konservativen: der frühere Chef der Revolutionsgarde, Mohsen Rezaie, Expolizeichef Mohamed Bagher Ghalibaf und der Teheraner Oberbürgermeister Mahmud Ahmadi Nejad.

Es wird vermutet, dass mehr als einer von ihnen in letzter Minute zugunsten von Ali Larijani, dem früheren iranischen Rundfunkchef, auf eine Kandidatur verzichten wird. Damit wird Larijani, der Kandidat des konservativen Mainstreams, direkt mit Rafsandjani konkurrieren. Karrubi werden wenig Chancen eingeräumt.

Nach den Parlaments- und den Kommunalwahlen sind dies die dritten Wahlen, bei denen die Reformer nicht durch einen eigenen Kandidaten vertreten sind. Damit scheint am 17. Juni ihre Ära endgültig zu Ende zu gehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.5.2005)

Amir Loghmany aus Teheran
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wahlwerbung für Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani.

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