Nix mit schönsaufen!

24. Mai 2005, 07:00
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Wir gratulieren "Jägermeister" zur Verleihung der Zitrone für ihre sexistische und gefährliche Werbung

Auch dieses Mal dürfen wir uns gemeinsam Gedanken zu sexistischer Fahrlässigkeit in Sachen Werbebotschaften machen. Dieses Mal ist es der gute alte "Jägermeister", der unsere diskursiven Gehirne zum Rotieren bringt. So wird seit Neuestem - wahrscheinlich seit der nun tatsächlichen Anbahnung des Sommers - für die deutsche Spirituose mit dem Bild einer jungen Dame geworben. Der Slogan dazu lautet "Eiskalt. Nicht zu verbergen." und "Pur und cool genießen." Aha. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass der laszive Blick der Dame ohne BH auf eben deren Dekolleté fällt. Und - Achtung lustig! - ihre Brustwarzen sind unübersehbar errigiert.

Bodenständige Coolness

Die Marke "Jägermeister" ist durch sein - sagen wir mal - durchaus bodenständiges Image bekannt. Wer an "Jägermeister" denkt, denkt an Zeltfeste, Almhütten und "zünftige Gaudis". Und dieses Bild wird auch von Seiten der ProduzentInnen in der Werbung gefördert, orange Skimützen und Spielzeug-LKWs als Marketinggag inklusive.

Nichts gegen ein bisschen "herumproletieren", schließlich und endlich will es frau ja auch nicht immer ganz so ernst haben. Doch vielfach fällt auch in der kritischen und emanzipatorischen Ecke ein gewisser Hang zur Supermännlichkeit auf, der sich - natürlich immer "bewusst" und "reflektiert" - über die "ach so strikten" Regeln der Political Correctness hinwegsetzen. Unter dem Motto "Wir sind eh solidarisch, also können wir uns das ja eh leisten" geht dann schon mal ein Frauenwitz über die linken Lippen.

In diesem Fährwasser ...

... haben dann aber auch solche Werbungen Platz, wie die der Marke "Jägermeister". Hier wird wieder einmal mit Hilfe der sexuellen Instrumentalisierung des weiblichen Körpers für ein Wirtschaftsprodukt geworben. Und noch dazu im Kontext Sexualität und Alkohol. Wer kennt sie nicht, die unnötigen Witze darüber, dass man "Frauen schönsaufen" müsse. Und dass wir Mädels mit ein paar Schnapserl eh zugänglich wären. Viel etwas anderes will diese Werbung auch nicht vermitteln. Nach ein paar "Jägermeister" ist jede Frau zu haben, welch kuriose Strategie.

Passt ja auch ganz vortrefflich zum "Jägermeister", der halt sein Wild dieses Mal nicht mit dem Waidmannsgewehr erlegt, sondern mit den hochprozentigen Kräutern.

dieStandard.at gratuliert zur Verleihung der Zitrone und sicherlich schließen sich etliche Vergewaltigungsopfer alkoholisierter Ehemänner, Lebenspartner und Kurzzeitbekanntschaften an.

(e_mu)

24.05.2005
  • Nix mit "Waidmannsheil"! Wir zitronieren!
    diestandard.at
    Nix mit "Waidmannsheil"! Wir zitronieren!
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