Kaum noch Hoffnung auf Überlebende nach Manöver in den Anden

25. Mai 2005, 09:01
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26 Todesopfer, 19 Menschen noch vermisst - Militär übernimmt Verantwortung für Schnee-Tragödie in Chile

Nach dem Fund von fünf weiteren Leichen erfrorener Soldaten nach einem Schneesturm in den chilenischen Anden gibt es praktisch keine Hoffnung mehr auf Überlebende. Mit den erneuten Leichenfunden stieg die Zahl der Todesopfer bis Sonntag (Ortszeit) auf 26, weitere 19 Soldaten wurden noch vermisst. Die Wehrpflichtigen waren während eines Manövers in der vergangenen Woche in einen Schneesturm geraten und am Mittwoch vermisst gemeldet worden.

Die Militärführung übernahm nach Zeitungsberichten die Verantwortung für das tragische Unglück. Der stellvertretende Verteidigungsminister Gabriel Gaspar kündigte Renten- und Entschädigungszahlungen für die Familien der Opfer an.

Minustemperaturen

Im Unglücksgebiet von Los Angeles, 500 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago, setzten Bergungstrupps bei Minustemperaturen, heftigen Schneestürmen und Regenfällen die Suche nach den Rekruten fort. Die toten Soldaten seien vier Meter tief unter dem Schnee begraben gewesen, berichtete die Tageszeitung "El Mercurio" unter Berufung auf Rettungskräfte. Ihre Kleidung und Ausrüstung sei für den Einsatz völlig ungeeignet gewesen. An der Suche sind Armee- und Polizeieinheiten beteiligt, die von Flugzeugen und Hubschraubern unterstützt werden.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Gaspar gestand eine Mitschuld des Militärs an dem Unglück ein. "Offensichtlich liegt die Verantwortung bei der Führung, die diese Übung angeordnet hat, obwohl sie den Wettervorhersagen zufolge nie hätte stattfinden dürfen", sagte Gaspar der Tageszeitung "La Nacion". Der Kommandant des betroffenen Regiments sowie zwei verantwortliche Offiziere wurden der Militärjustiz überstellt.

Übungsmarsch

Den Müttern der Opfer solle eine Pension von umgerechnet 350.000 Euro ausgezahlt werden, sagte Gaspar. Zusätzlich solle den Familien eine Entschädigung und eine Lebensversicherung ausbezahlt werden. Die Suche nach den Opfern ginge so lange weiter, bis der letzte Soldat geborgen worden sei, sagte Gaspar.

Das aus 450 gerade erst volljährig gewordenen Soldaten bestehende Infanterie-Batallion war vergangene Woche zu einem Übungsmarsch in die Hochanden nahe Antuco aufgebrochen und dort in einen Schneesturm geraten. Am vergangenen Mittwoch waren zunächst 95 Soldaten als vermisst gemeldet worden. In den vergangenen Tagen hatten jedoch mehr als 50 der Soldaten wieder ihren Stützpunkt erreicht. Am Samstag wurde eine Gruppe von 112 Überlebenden gefunden und in die Provinzhauptstadt Los Angeles gebracht, wo sie von überglücklichen Angehörigen empfangen wurden. Der chilenische Präsident Ricardo Lagos hatte am Freitag eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. (APA/AFP)

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