"Musik kann nur eine Berufung sein"

23. März 2006, 13:01
posten

Die Wiener Sängerin und Songwriterin Juci ruft JungmusikerInnen im derStandard.at- Interview zu Eigen­ständigkeit und Mut auf

Die Sängerin, Autorin und Musikerin Juci ist seit Jahren fester Bestandteil der Wiener Szene. Gemeinsam mit Bruder Albin entwickelte sie einen sehr persönlichen Musikstil, der die verschiedensten Richtungen wie Soul, Jazz, Funk, Pop vereint und sich "soul moderne" nennt. Jucis Debütalbum "tageslicht" fand in der Musikpresse positiven Anklang und auch als Musicalschreiberin kann Juci Janoska auf Erfolge verweisen. Mit "Lilly und der Zeitgeist" schuf die Mutter einer Tochter ein Kindermusical über den familienobligaten Mangel an Zeit. Diesen Sommer unterrichtet Juci wieder an der vokal.sommer.akademie Gesang.

***

derStandard.at: Wie schwierig ist es, in Österreich am Musiksektor erfolgreich zu sein? Was hältst du für die wichtigsten Voraussetzungen?

Juci: Es gibt immer gute und schwere Zeiten, das kommt in Wellen. Wichtig ist es, dass man sich in schweren Zeiten nicht gleich ändert oder versucht sich irgendeinem Stil anzupassen, der einem nicht entspricht. Man muss wissen, wer man ist und was man machen will, und dann sein Ding durchziehen.

derStandard.at: Was ist dein Ding?

Juci: Ich bin sehr persönlich und authentisch in meinen Texten und schreibe nur über Dinge, die mich persönlich stark bewegen. Das ist schwierig, aber schön. Auf meinen Konzerten treffe ich immer wieder Menschen, die sich sehr betroffen fühlen, weil die Texte zum Beispiel genau zu ihrem aktuellen Lebensabschnitt passen. Solche Feedbacks sind für mich die größte Belohnung.

derStandard.at: Was bedeutet es für dich, Musikerin zu sein?

Juci: Musik kann immer nur eine Berufung sein. Man muss auf der Bühne stehen wollen und sich dort auch daheim fühlen. Musik ist sowas wie der Ausdruck der Seele. Klingt das zu hochgestochen? Egal, für micht stimmt das so.

derStandard.at: In der Realität sieht man sich als junge/r MusikerIn mit einer Musiklandschaft konfrontiert, in der es immer weniger kleinere Labels gibt und die großen ihre KünstlerInnen Richtung Mainstream "designen" wollen. Wie vorgehen?

Juci: Demos sollte man natürlich an alle Plattenfirmen schicken. Das allein reicht aber nicht. Man muss sich mit den Leuten treffen, persönlich mit ihnen sprechen und sie überzeugen. Natürlich ist es nicht leicht für Anfänger. Derzeit bekommen nur die alten Hasen wirklich leicht Bookings. Meiner Meinung nach ist es aber weitaus einfacher, mit Nischenprodukten weiterzukommen. Steigt man auf den Mainstream-Zug auf, ist man immer nur ein müder Abklatsch von etwas, dass es schon längst gibt.

derStandard.at: Du arbeitest mit namhaften österreichischen Künstlern, bist mit Boris Bukovsky auf Tour, trittst mit Hansi Lang, Peter Legat oder Houseverstand auf. Wie schwierig ist es, solch ein ein gutes und wichtiges Netzwerk aufzubauen?

Juci: Das ist viel Arbeit. Es reicht nicht, zu sagen, ich bin Sängerin und schreibe Musik: wo bleibt das Interesse? Verschließt man sich vor den anderen, wird man es nicht schaffen. Aber nicht nur persönliche Kontakte sind wichtig. Es gehört viel Promotionarbeit, ein gutes Booking, Pressearbeit mit exzellenten Fotos, gutes Styling, eine Homepage und vor allem eine super Band dazu. Damit fällt man auf - und das muss man sich meist alles selbst organisieren und schon auch einiges an Geld investieren.

derStandard.at: Kannst du von deiner Musik leben?

Juci: Nein, vom Album alleine sicher nicht. Die meisten Platten verkaufe ich bei Konzerten, aber ich arbeite auch als Autorin, unterrichte.

derStandard.at: Du unterrichtest zum Beispiel die Chor- & Vokalensembleklasse "grooving voices" bei der vokal.sommer.akademie in Eisenstadt.

Juci: Ja, das ist immer sehr super - fast wie Urlaub. Es entsteht eine tolle Gruppendynamik, wenn Leute ein gemeinsames Ziel haben, den Ehrgeiz, etwas wirklich Geniales einzustudieren. Außerdem ist schon allein die Umgebung phantastisch, in den Prunkräumen des Schlosses Esterhazy bekommt das Ganze wirklich Flair.

derStandard.at: Was kann man sich von dir als Lehrerin erwarten?

Juci: Musik ist etwas sehr Intimes, hat mit der Psyche, mit Träumen und Selbstverwirklichung zu tun. Ich möchte Menschen auch lehren, aus sich herauszugehen, wenn sie auf der Bühne stehen, eine persönliche Hemmschwelle zu überwinden. Das bringt einem im Leben sehr viel an Selbstbewusstsein. Außerdem schaue ich, dass alle cool ausschauen (lacht).

Musikalische Ausbildung:

Größtenteils Autodidaktin, drei Jahre Jazzgesang am Schubert- konservatorium, sechs Jahre lang klassischer Gesangsunterricht bei Prof. Tunhart mit abschließendem Diplom im Jahre 1998, Jazzdance im Tanzforum Neubaugasse und Hip Hop Dance an der Uni Wien.

Hörprobe

Links:

Termine und Auftritte

Sommerakademie

Jucis Musical

www.juci.at

  • Juci: "Wer erfolgreich sein will, muss auch professionelle Pressearbeit betreiben, dazu gehören Profifotoshootings".
    foto: www.juci.at

    Juci: "Wer erfolgreich sein will, muss auch professionelle Pressearbeit betreiben, dazu gehören Profifotoshootings".

  • Download
Share if you care.