Chef des abgebrannten Baumarkts in Klagenfurt: "Das war Brandstiftung!"

24. Mai 2005, 09:18
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Kriminalisten auf der Suche nach Ursache - Bis Jahresende will Firmenleitung Wiederaufbau abgeschlossen haben - Welle der Hilfsbereitschaft

Zwei Tage nach dem Großbrand, der große Teile eines Klagenfurter Baumarkts in Schutt und Asche gelegt hat, ist Firmenchef Karl Egger davon überzeugt, dass das Feuer kein Zufall war. "Das war Brandstiftung", erklärte Egger gegenüber der APA. Die Kriminalisten waren am Montag noch auf der Suche nach der Ursache. Die Firmenleitung will den Wiederaufbau des Unternehmens bis Jahresende abgeschlossen haben.

Zwar gab es weiterhin keine offiziellen Aussagen zur Ursache des Feuers. Einsatzleiter Josef Pobegen meinte aber, "es ist unerklärlich, wie es schlagartig zu so einem Brand kommen kann". Feuerwehrkommandant Alfred Schlieber wollte "den Kriminalisten nicht vorgreifen". Er wies aber darauf hin, dass es in den vergangenen 30 Jahren in keinem einzigen mit einer Brandmeldeanlage versehenen Gebäude zu einem Großschaden gekommen sei. Schlieber: "In diesem Fall ist die erste Meldung vom Brandmelder gekommen. Als das Fahrzeug drei Minuten später eingetroffen ist, sind wir vor einem Vollbrand gestanden."

Zweiter Großbrand

Die Polizei prüft auch einen möglichen Zusammenhang mit dem ungeklärten Großbrand bei der Klagenfurter Firma Gesa vom 28. April. Dort hatten sich die Flammen ebenfalls rasend schnell ausgebreitet. Auch ein Feuer bei der Firma Stoiser & Wolschner vom November 2004 wird noch einmal überprüft.

Ein Blick aus den Büroräumen im ersten Stock des heil gebliebenen Gebäudes offenbart das Ausmaß der Verwüstung. "Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff", murmelte Geschäftsführer Siegfried Egger bei einem Blick auf die verbogenen Stahlträger und geborstenen Wänden. Die Fensterscheiben der Büros hielten der Hitze mit Ach und Krach und Dank einem Großeinsatz der Feuerwehr gerade noch stand. "Wären die Flammen hier durchgekommen, wäre das gesamte Areal vernichtet worden", sagte Pobegen.

"Es muss weitergehen"

"Es muss weitergehen und es wird weitergehen", gaben sich Karl und Siegfried Egger bei einem Pressegespräch bereits wieder optimistisch. Noch am Sonntag wurde eine provisorische Stromleitung von einem nahe gelegenen Transformator zum Geschäft gelegt. Die Server der Firma habe der Leiter der Abteilung Baustoffe in einem geliehenen Feuerwehranzug und mit Atemschutzmaske in Sicherheit gebracht, berichtet Siegfried Egger. "Das ist das Hirn der Firma, das Gott sei Dank erhalten blieb."

Karl Egger betonte noch einmal, dass keiner der 130 Mitarbeiter gekündigt werde, "auch wenn es zwischenzeitlich nichts für sie zu tun gibt". Der Verkaufsbetrieb wurde provisorisch bereits wieder aufgenommen, Egger berichtete von einer Welle der Hilfsbereitschaft für das seit 60 Jahren bestehende Familienunternehmen: "Lieferanten, aber auch Kunden bieten uns Arbeiter und Fahrzeuge an und fragen, wie sie uns helfen können. Die Mitarbeiter waren am Sonntag da und haben geholfen." Auch die Nachlieferung der zerstörten Waren sei versprochen worden. Siegfried Egger: "Gerade zu Sommerbeginn ist das gesamte Sortiment an Gartenartikeln vernichtet, von den Möbeln bis zu Hunderten Rasenmähern."

Man sei aber gut versichert und hoffe nun darauf, den Wiederaufbau rasch in Angriff nehmen zu können. Stadtrat Christian Scheider (B), für das Feuerwehrwesen zuständig, sicherte den Brüdern sofort Unterstützung seitens der Stadtverwaltung zu, von beschleunigten Bewilligungsverfahren bis zu Hilfe bei Abtransport und Entsorgung der Unmengen von Schutt. (APA)

Nachlese

Klagenfurt: Polizei ermittelt nach Großbrand in Baumarkt - Acht Millionen Euro Schaden - Ermittlung wegen Brandstiftung - 500 Feuerwehrmänner waren im Einsatz

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