Gerhard Schröder - Ein Machtmensch mit taktischem Geschick

23. Mai 2005, 13:25
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Deutscher Kanzler verwirrte in der Vergangenheit oft durch plötzliche Schwenks

Berlin - Der deutsche Bundeskanzler ist ein Machtmensch. Schon frühzeitig hatte Gerhard Schröder angekündigt, dass er auf einen dritten Sieg seiner Regierung setzt - ursprünglich im Jahr 2006, nun bei einer vorgezogenen Bundestagswahl. Im Poker um die politische Macht bewies der 61-Jährige schon oft taktisches Geschick. In den 90er Jahren setzte er sich in seiner SPD erfolgreich gegen die partei-internen Rivalen durch. Mit Rot-Grün erreichte er im September 1998 seinen ersten Wahl-Sieg gegen den langjährigen CDU-Kanzler Helmut Kohl, der nicht abtreten wollte.

Vor der Wahl 2002 schien die Niederlage von SPD und Grünen schon fast festzustehen. Doch Schröder machte noch einmal mobil und schaffte die Trend-Wende. Sein beherztes Engagement bei einer Flut-Katastrophe an der Elbe und das strikte Nein zu den US-Plänen für einen Irak-Krieg reichten für einen knappen Sieg gegen CSU-Parteichef Edmund Stoiber, den damaligen Kanzlerkandidaten der Union.

Pragmatiker

Andererseits war Schröder aber immer wieder auch der Pragmatiker, der Freund und Feind durch plötzliche Schwenks verwirrte. Im Frühjahr 2003 kündigte er seine Reform-"Agenda 2010" an - eine Anpassung des Sozialstaats an die veränderten Gegebenheiten. Damit stürzte er seine Sozialdemokraten in eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte.

Geliebt hat ihn seine SPD nie wirklich, mehrfach zwang er sie mit Rücktritts-Drohungen hinter sich. Am 6. Februar 2004 sah Schröder keine andere Möglichkeit mehr, als nach fünf Jahren den Parteivorsitz an Franz Müntefering abzugeben. Aus Schröders Sicht war dies ein erfolgreiches Manöver, das ihn im Regierungsamt gestärkt hat.

Jurist

Der Jurist liebte es lange, sich als "Macher" zu geben. Auch schätzte er in der Vergangenheit durchaus den Titel "Genosse der Bosse". Als niedersächsischer Ministerpräsident von 1990 bis 1998 hatte er bereits die Nähe zu den Mächtigen der Wirtschaft gepflegt. Als Bundeskanzler hat sich Schröder nach eigenen Worten gewandelt. Die Welt habe sich in dieser Zeit geändert und damit auch er selbst, sagte er einmal im Rückblick auf die Zeit von 1998 bis heute. (APA/dpa)

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    Gerhard Schröder

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