Kindergeld: Verdienstgrenze führt ins berufliche Out

23. Mai 2005, 14:07
3 Postings

Die Arbeiterkammer macht sich für qualifizierte Frauen und gegen Rauch-Kallats "Denkfehler" stark

Wien - Eine starre Zuverdienstgrenze beim Kindergeld kann qualifizierte Frauen in den beruflichen Abgrund führen, statt ihnen die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Wiedereinstieg in den Job zu ermöglichen. Davon zeigt sich Christoph Klein, Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer, im Gespräch mit dem STANDARD überzeugt.

Er bezieht damit im aktuellen Streit um einen völligen Wegfall der Zuverdienstgrenze gegen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat Stellung, die sich am Samstag dezidiert gegen diese Forderung ihrer VP-Parteikollegin Gertrude Brinek, ausgesprochen hat.

"Denkfehler"

Die Ablehnung Rauch-Kallats bezeichnet der Sozialpolitiker als "Denkfehler". Gerade die mit 1140 Euro/Monat festgelegte Obergrenze ermögliche es Eltern überhaupt nicht, "ein Teilzeit-Ausmaß auszuwählen, das genügend Zeit fürs Kind lässt und die Rückkehr in den Beruf - in Abstimmung mit den Job-Erfordernissen - sichert," argumentiert Klein.

Zum einen kann das Volumen der Verdienstgrenze für eine Verkäuferin nämlich bereits ein Vollzeitarbeitsverhältnis repräsentieren, zum anderen könnten die 1140 Euro für gut ausgebildete Frauen überhaupt zum Bumerang werden. Im Zusammenhang mit Letzteren stützt sich Klein dabei vor allem auf den Umstand, dass heimische Unternehmen Frauen in qualifizierten Positionen durchaus Wiedereinstiegsjobs anbieten - jedoch mindestens für zwanzig bis 25 Wochenstunden.

Sekretärin statt Chefin

Für eine Akademikerin mit etwa 3000 Euro brutto monatlich geht sich - mit Blick auf die Zuverdienstgrenze - da gerade einmal ein Vierzehn-Stunden-Job aus. Teilzeitwünsche qualifizierter Mitarbeiterinnen für unter zwanzig Stunden werden von den Unternehmen im Gros jedoch klar abgelehnt.

Ein Beispiel: Müttern, die vor der Geburt ihres Kindes eine Führungsposition innehatten, ist in einigen Fällen nur mehr ein Wiedereinstieg als Sekretärin angeboten worden - teilweise in den bisher von ihnen geleiteten Abteilungen. Der Auslöser: Die Frauen hatten um Jobs im Umfang von zehn bis 15 Stunden angefragt.

Die von Rauch-Kallat befürchtete Praxis, dass Väter - nach einem möglichen Kippen der Verdienstgrenze - voll weiter arbeiten und Kindergeld beziehen, während die Mütter die Kids hüten müssen, sei bei Selbstständigen bereits gegeben, moniert der Experte.

Arbeitszeitgrenze statt Betragsgrenze

Klein: "Für Selbstständige ist es in der Regel kein Problem, ihr steuerbares Jahreseinkommen durch geschicktes Legen von Betriebsausgaben und Zahlungseingänge so zu verteilen, dass sie sechs Monate unter der Zuverdienstgrenze bleiben und sie damit in dieser Zeit zum Schein die Kinderbetreuung übernehmen." Er fordert daher statt der Betragsgrenze eine Arbeitszeitgrenze von etwa 24 Wochenstunden.

Statt der vollen 2,5- bis dreijährigen Bezugsdauer sollte besser eine kürzere Zeitspanne mit höherem Kindergeld möglich sein. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.05.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Vor allem für qualifizierte Frauen ist die Zuverdienstgrenze eine Erschwernis beim Wiedereinstieg - die Arbeiterkammer verlangt daher eine Begrenzung der Arbeitszeit.
Share if you care.