Ermittlungen gegen "Dr. Death" in Australien angelaufen

25. Mai 2005, 09:00
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Arzt wird mit Tod von knapp 70 Patienten in Verbindung gebracht - Zulassung trotz Disziplinarverfahren in den USA

Wegen des Todes von knapp 70 Patienten hat eine Untersuchungskommission in Australien Ermittlungen gegen einen Arzt aufgenommen. Der aus Indien stammende Chirurg Jayant Patel hatte in Queensland eine Zulassung erhalten, obwohl zuvor in den USA Disziplinarverfahren gegen ihn gelaufen waren. Zum Auftakt der amtlichen Untersuchung sagte eine Krankenschwester am Montag, Patel habe regelmäßig Medikamente oder Therapien verschrieben, die bis zu 20 Jahre hinter dem aktuellen Stand der Wissenschaft hinterher hinkten.

Toni Hoffman arbeitete als Oberschwester auf der Intensivstation des Bundaberg Base Hospital mit Patel zusammen. Sie war es auch, die die Ermittlungen gegen den Arzt ins Rollen gebracht hatte. In einem Fall, so Hoffman, habe der Chirurg die Entfernung der Speiseröhre eines Krebspatienten angeordnet, obwohl zuvor mehrere besser ausgestattete Krankenhäuser den Eingriff abgelehnt hatten. Der Mann starb fünf Tage nach der Operation.

Tod von mindestens 67 Patienten

Die Untersuchungskommission soll klären, wie der Chirurg in Australien eine Approbation erhalten konnte. Weiters soll das Ausmaß seiner mutmaßlichen Fehler aufgedeckt werden. Dabei geht es um den Tod von mindestens 67 Patienten. In 96 weiteren Fällen hat die zuständige Gesundheitsbehörde Untersuchungen zu Patels Behandlungsweise eingeleitet. Der Chirurg, der in den australischen Medien "Dr. Death" (Doktor Tod) genannt wird, verließ Australien im April, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

In den USA war Patel in den Staaten Oregon und New York ins Visier der Behörden geraten. In Oregon wurde seine Zulassung im Jahr 2000 eingeschränkt. Die Behörden in New York forderten den Chirurgen später auf, seine Approbation freiwillig zurückzugeben und warfen ihm grobe Fahrlässigkeit in mehreren Fällen vor. Der Arzt kam der Aufforderung im April 2001 nach und bewarb sich daraufhin in Australien. Dabei soll er die vorangegangenen Disziplinarverfahren verschwiegen haben. (APA(AP)

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