Rumänische Ladies auf die Bühne!

13. Juli 2005, 20:44
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Vergangenes Wochenende fand in Timisoara das erste Ladyfest in Rumänien statt - dieStandard.at war dabei und sprach mit den Organisatorinnen

Etwa 50 Kilometer entfernt von der ungarischen Grenze befindet sich die rumänische Stadt Timisoara, neben Bukarest eines der kulturellen Zentren des Landes. Vom 20. bis 22. Mai fand in dieser mediterran anmutenden 330.000 EinwohnerInnen-Stadt das erste Ladyfest in Rumänien statt, an dem über 30 internationale KünstlerInnen, MusikerInnen und politische AktivistInnen teilnahmen.

Für das dreitägige Programm des feministischen Kulturfestivals zeichnete sich hauptsächlich eine vierköpfige Gruppe von Frauen verantwortlich: Sandra, Wassertechnik-Studentin in Timisoara, ist eine davon und dieStandard.at erklärte sie, warum es ihr ein so großes Anliegen war, ein Ladyfest nach internationalem Vorbild in Rumänien zu organisieren: "Wir wollen die Frauen hier ermutigen, selbst aktiv zu werden. Sie sollen Beispiele bekommen für Arbeiten von Frauen und sehen, dass - um etwas auf die Beine zu stellen - nicht unbedingt ein Mann notwendig ist."

Geschlechterpolitik

In Rumänien wird die Geschlechter-Frage im Moment nicht besonders laut diskutiert. Das Streben nach Gleichstellung der Geschlechter verbinden viele (politische) Köpfe mit der Ceausescu-Ära, in der Frauen zwar arbeiten gehen sollten, aber deshalb nicht von ihren häuslichen Pflichten entbunden wurden, und in Folge enormen Doppelbelastungen ausgesetzt waren. Für Enikõ Magyari-Vincze von der Babes-Bolyai-Universität ist der aktuelle Post-Sozialismus inhaltlich und rhetorisch geprägt von einer Hinwendung zu einer "natürlichen Geschlechterordnung" und dem Aufleben-Lassen traditioneller Geschlechtermuster. "Eine meiner Studienkolleginnen fragte mich, warum ich überhaupt ein Festival für Frauen machen wolle. Schließlich würde ich doch keine einzige bekennende Feministin kennen", erläutert Sandra die Einstellung auch unter den jungen Frauen.

Dieses Nicht-Diskutieren von Geschlechterverhältnissen drückt sich auch in den Subkulturen aus, zu denen Frauen kaum Zugang als aktive Gestalterinnen haben. "Es ist so schwer, rumänische Bands zu finden, in denen Frauen mitspielen. Außer in der Punk-Szene gibt es kaum welche, die auf der Bühne stehen und selbst die müssen sich gefallen lassen, dass Männer zu ihnen sagen: 'Für eine Frau singst du nicht schlecht'".

Oana, eine weitere Hauptorganisatorin des Ladyfests Timisoara, ist in der Punk-Szene aktiv und gestaltete das Musik-Programm auch nach diesen Vorgaben. Insofern war die Band-Auswahl (leider) etwas einseitig, was von den angebotenen Workshops und Film-Screenings nicht behauptet werden kann: Dort reflektierten die BesucherInnen u.a. über Frauen und Kunst, Fanzine-Gestaltung, Frauenhandel und Direkt-Organisation, Ausstellungen und Filme thematisierten die Frauenrollen in Medien und eine Retrospektive über Ursula Bieman führte in die Arbeit der Schweizer Filmemacherin ein.

Unterstützung

Dem "do-it-yourself"-Charakter verpflichtet, verzichteten die Organisatorinnen auf Sponsoring oder ähnliche Finanzierungsformen, aber die dezitierte Nicht-Unterstützung von Seiten der Stadt und des Landes rief Kritik hervor. Subventioniert wurde das Festival schließlich von dem in den Niederlanden ansässigem feministischen Fonds "Mama Cash", der kulturelle Projekte von Frauen in strukturschwächeren Gebieten unterstützt.

Ladyspace

Als guten Anfang für einen "Ladyspace", der die künstlerische Arbeit von Frauen unterstützt, werteten sowohl die Veranstalterinnen wie auch zahlreiche BesucherInnen dieses erste Ladyfest in Timisoara. Dass die Durchsetzung bzw. Etablierung eines solchen Ortes in Timisoara eine andere, um nicht zu sagen, größere Herausforderung als beispielsweise in Wien darstellt, ließ sich unschwer an der hohen Zahl von Männern auf der Bühne, im Publikum und hinter dem Mischpult erkennen. Andererseits sind Ladyfeste aber tolle Gelegenheiten, um nicht-institutionalisierte Netzwerke unter Frauen zu knüpfen - insofern sieht frau in Timisoara sicher aufregenden Zeiten entgegen. (freu)

  • Sandra (23), Ladyfest-Organisatorin aus Timisoara
    Sandra (23), Ladyfest-Organisatorin aus Timisoara
  • Das Plakat zum Fest
    Das Plakat zum Fest
  • Soundcheck auf der wunderschön am Fluß Bega gelegenen Location Strandul Eminescu.
    Soundcheck auf der wunderschön am Fluß Bega gelegenen Location Strandul Eminescu.
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