Theatertreffen: Preise für Kriegenburgs "Nibelungen"-Inszenierung

22. Mai 2005, 21:56
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Jury: Gehört zu prägenden deutschen Regisseuren unserer Zeit

Berlin - Mit gleich zwei Preisen für Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Hebbels "Die Nibelungen" ist am Sonntag das 42. Berliner Theatertreffen zu Ende gegangen. Für seine knapp sechsstündige, an den Münchner Kammerspielen entstandene Regiearbeit erhielt Kriegenburg den mit 10.000 Euro dotierten 3sat-Preis für eine "zukunftsweisende Leistung". Der 1963 in Magdeburg geborene Kriegenburg gehöre zu den prägenden deutschen Regisseuren unserer Zeit, urteilte die Jury.

Der mit 5.000 Euro dotierte Alfred-Kerr-Darstellerpreis ging an die Schauspielerin Wiebke Puls, die in "Die Nibelungen" die Kriemhild spielt. "Sie ist eine Extremistin der wahren Empfindung", urteilte der diesjährige Juror, der Schauspieler Ulrich Matthes. Der 1991 von der Familie Kerr und der Pressestiftung "Tagesspiegel" gestiftete Preis zeichnet die herausragende Leistung einer Nachwuchsschauspielerin aus.

Das Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen zeigte in den vergangenen zweieinhalb Wochen die neun "bemerkenswertesten" Inszenierungen der Saison. Regisseure wie Michael Thalheimer, Christoph Schlingensief und Stefan Pucher waren eingeladen worden. Schauspiel-Stars wie Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Fritzi Haberlandt, Nina Kunzendorf und Alexander Scheer begeisterten die Zuschauer. Hatte es in den Vorjahren immer wieder Kritik an der Juryauswahl gegeben, waren sich dieses Mal Publikum und Kritiker auffallend einig über diesen "guten Theatertreffen-Jahrgang".

Kriegenburg hatte schon mehrmals Anlauf genommen, das "deutsche Nationalepos" auf die Bühne zu bringen. Jetzt brachte ihm die Inszenierung seine bereits fünfte Einladung zum Theatertreffen ein. "Dass sich die Jury auf Andreas Kriegenburg geeinigt hat, liegt auch an der Umsicht dieses Regisseurs, seine Arbeit gerade nicht als reinen Debatten-Beitrag zu gestalten und sich der täglichen These, dem Quintessenzialismus ein Stück weit zu verweigern", heißt es in der Mitteilung der Berliner Festspiele. "Dies immerhin mit einem Stoff in seiner bürgerlich-dramatischen Form, der sich als besonders unheilvoll in der deutschen Geschichte erwiesen hat."

Das Festivalpublikum hatte die ebenso leichte wie hintergründige Marathon-Inszenierung begeistert aufgenommen. Kriegenburg ist seit 2001 Oberspielleiter und Regisseur am Thalia Theater Hamburg. In der nächsten Spielzeit wird er am Theater Magdeburg die Oper "Orpheus und Eurydike" inszenieren. Wiebke Puls war Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Seit der Spielzeit 2004/2005 arbeitet sie als freie Schauspielerin.

Einziger Wermutstropfen des Theatertreffens war die Absage von Andrea Breth vom Wiener Burgtheater. Die Regisseurin wollte ihre als Beitrag zum Schiller-Jahr gedachte Inszenierung "Don Carlos, Infant von Spanien" nicht in Berlin zeigen. Als Grund gab sie an, keine der Berliner Bühnen biete die technischen Voraussetzungen für ihre aufwendige Inszenierung. (APA/dpa)

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