Investieren ins Auge des Hurrikans

12. Juli 2005, 15:35
posten

Versicherungen geben ihr Naturkatastrophen-Risiko teilweise an Anleger weiter - Davon profitieren auch potenzielle Opfer, da große Risiken weiter versicherbar bleiben - Und die Erträge für Anleger sind ansprechend

Wien - Cat-Bonds klingt wesentlich sympathischer als die tatsächliche deutsche Bezeichnung: Katastrophen-Anleihen. Und damit sind nicht etwa die jüngst so geprügelten Anleihen des großen US-Autokonzerne GM und Ford gemeint. Sondern hier geht es um einen Risiko-Transfer für Spitzenrisiken der Versicherungsbranche.

Das Risiko von Großschäden durch Erdbeben oder Hurrikans soll mittels speziell konstruierter, von den Versicherungen begebenen Anleihen breiter gestreut werden. Seit 1997 sind solche Anleihen in größerem Umfang am Markt, weil die immer größeren Naturkatastrophen die Möglichkeiten der einzelnen Rückversicherer überschreiten. Insgesamt wurden bereits rund acht Mrd. US-Dollar dieses Risikomarktes in Form von Cat-Bonds emittiert.

Special Purpose Vehicles

Wie funktionieren solche Bonds? Initiiert werden die Anleihen in erster Linie von Rückversicherungen wie etwa der Swiss Re. Diese gründet dann ein so genanntes Special Purpose Vehicles (SPV), in das der Anleiheerlös eingezahlt wird. Der Erlös wird in risikolosen Staatsanleihen angelegt. Dazu kommt noch eine Risikoprämie vom Versicherer.

Solange also keine große Naturkatastrophe eintritt, bekommt der Anleger einen deutlich höheren Zinssatz als bei herkömmlichen Anleihen. Das Risiko: Überschreitet eine Naturkatastrophe vorher festgelegte Grenzen (etwa Sturm-oder Erdbebenstärke), ist das Geld ganz oder teilweise weg.

Risikozuschlag zwischen vier und zehn Prozent

Der fixe Risikozuschlag beträgt zurzeit zwischen vier und zehn Prozent des Nominales pro Jahr - je nach Wahrscheinlichkeit des Risikoeintritts.

Auch Bewohner von potenziellen Krisenregionen profitieren von den Anleihen: Durch sie bleiben hohe Risiken versicherbar bzw. die Prämien leistbar. Die Laufzeit der Anleihen liegt zwischen ein und zehn Jahren. Die am häufigsten Risiken sind Jahrhundertkatastrophen wie Erdbeben und Stürme in den industrialisierten Zonen der Erde.

Daniel Haussamann, Fondsmanager des AIG Diversified CAT Bond Fund: "Beispielsweise löst im Fall von Windstürmen die Überschreitung bestimmter Windgeschwindigkeiten Zahlungen aus.

Der Schwellenwert eines versicherten Schadens liegt in der Regel bei 15 bis 20 Milliarden US-Dollar. Seit 1997 der erste Cat-Bond aufgelegt wurde, ist noch nie eine Katastrophenanleihe ausgefallen."

Fonds für Privatanleger

Was solche Bonds besonders attraktiv macht, ist die geringe Korrelation zu den Anleihe- und Aktienmärkten. Daher eigenen sie sich besonders für Hedgefonds als Diversifikation, wie Bruno Wicki, Investment-Manager der MAN Investment Group erklärt. Er sieht im alternativen Risktransfer große Chancen.

Für private Anleger sind Fonds wegen Einstiegspreisen und Streuung die beste Investitionsmöglichkeit. Prominenteste Vehikel sind die von der Schweizer Bank Leu initiierten Leu Prima Cat Bond Fonds (ISIN CH0016058387) sowie der ebenfalls in der Schweiz emittierte AIG Diversified CAT Bond Fund (ISIN CH0019572566).

Die einzelnen Risiko-Kategorien bei diesem Fonds zeigen, worauf es ankommt. Per Ende April entfielen 30 Prozent des Risikos auf Hurricans in den USA, 25 Prozent auf Wirbelstürme in Europa, 19 Prozent auf Erdbeben in Kalifornien, 16 Prozent auf Erdbeben in Japan.

Die größeren Risiken sind jeweils auf mehrere Bonds mit unterschiedlichen Konditionen verteilt, z. B. Hurricane USA auf acht Bonds. Für den Anleger wichtig ist die Ziel-Rendite. Marius Dorfmeister von AIG Financial Services dazu: "Wir erwarten drei bis vier Prozent über dem Geldmarkt-Zins." (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.05.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Katastrophen (im Bild Szene aus "The Day After Tomorrow) übersteigen immer öfter die Kapazitäten der Versicherungen. Das Risiko wird an Anleger weitergegeben.

Share if you care.