Kalter Krieg auf Schweizer Grund

24. Mai 2005, 21:43
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Die USA verlangen die Auslieferung des ehemaligen russischen Atomministers

Morddrohungen, Dollar-Millionen, Atomgeheimnisse und ein Nervenkrieg zwischen der russischen Regierung und jener der USA: Die Schweiz bietet derzeit den Schauplatz für eine krimireife Vorführung der Extraklasse.

Als Hauptdarsteller agiert Jewgenij Adamow, der von 1998 bis 2001 russischer Atomminister war. Gegen ihn lief ein von US-Behörden geforderter Haftbefehl von Interpol. Trotzdem reiste er unlängst unbekümmert in die Schweiz ein, um seiner Tochter beizustehen; auch gegen sie wird wegen Geldwäscherei ermittelt. Während einer Vorsprache beim Untersuchungsrichter wurde Adamow festgenommen.

Nun verlangen die USA seine Überstellung. Daniel Wendell von der US-Botschaft in Bern erläuterte dem STANDARD, warum: "Ein Bundesgericht in Pittsburgh hat schwere Vorwürfe gegen Admaow erhoben. Die Delikte reichen von Betrug, Geldwäscherei, Hehlerei, Verschwörung bis zu Steuerbetrug." Adamow soll rund neun Millionen Dollar (7,2 Millionen Euro) US-Hilfe zur Sanierung maroder russischer Atomreaktoren umgeleitet haben.

60 Jahre Haft

Falls der 66-Jährige in den USA schuldig gesprochen wird, muss er mit einer Haftstrafe von 60 Jahren rechnen. Adamow weist die Vorwürfe aus den USA als "absolut haltlos" zurück.

Auch die russische Generalstaatsanwaltschaft hat noch eine Rechnung mit dem Exminister offen. In seiner Heimat wird gegen ihn wegen Betrug im Amt ermittelt. Die Russen verlangen ebenfalls seine Auslieferung. "Wir glauben, dass eine Kriminaluntersuchung gegen Adamow in Russland und nach russischen Gesetzen durchgeführt werden sollte", heißt es einer Mitteilung des russischen Außenministeriums.

Schon machen Moskaus Diplomaten in Bern Druck. Denn in den USA könnte Adamow zu viel ausplaudern. Immerhin leitete er als Minister auch das russische Nikiet-Institut. Dort feilen Wissenschaftler an Plänen für Nuklearwaffen und Kernreaktoren.

Um einen Verrat durch den früheren Minister zu vereiteln, bringen Abgeordnete der russischen liberaldemokratischen Partei eine Extrem-Variante ins Spiel: Notfalls gehöre Adamow "eliminiert".

Wird Adamow in Russland in Empfang genommen oder wird er in den USA auf die Anklagebank gesetzt? Die eidgenössischen Behörden müssen prüfen, welches Auslieferungsgesuch Vorrang hat. Das Verfahren sei "von höchster politischer Bedeutung", lässt ein Abgeordneter der mitregierenden Schweizer Sozialdemokraten wissen. Dennoch werde die Politik die "notwendige Zurückhaltung" üben.

Die neutrale Schweiz steht vor einer heiklen Wahl. Entweder muss man die US-Amerikaner brüskieren - oder die Russen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.05.2005)

Von Jan Dirk Herbermann aus Genf
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    Der ehemalige russische Atomminister Jewgenij Adamow soll US-Geld verschoben haben, die Russen wollen seine Auslieferung verhindern.

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