Chile: Tödlicher Ausbildungsmarsch in den Anden

23. Mai 2005, 15:51
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Hunderte chilenische Rekruten gerieten in Schneesturm - 26 Tote - Keine Hoffnung für 19 Vermisste

Los Angeles/Chile - Große Anteilnahme und Entsetzen hat in Chile der Tod Dutzender junger Rekruten ausgelöst, die in der vorigen Woche bei einem Ausbildungsmarsch in den Anden in einen Schneesturm geraten waren. Präsident Ricardo Lagos hatte am am Samstag eine dreitägige Staatstrauer angeordnet und flog zum Standort des betroffenen Regimentes in Los Angeles im Süden des Landes, um Angehörigen zu kondolieren und die Suchaktion nach Vermissten zu kontrollieren.

26 Leichen wurden bereits geborgen. 19 Vermisste wurden noch vermisst; laut Angaben von Heereschef General Juan Emilio Cheyre würden sie wohl nur noch tot gefunden werden. "Wir sollten die Hoffnung als Letztes aufgeben", sagte Cheyre dennoch vor Beginn einer weiteren Suchaktion, die er selbst befehligte.

Grundwehrdiener

Bei den Toten und Vermissten handelt es sich mit einer Ausnahme um junge Wehrpflichtige im Alter von 18 und 19 Jahren, die gerade ihre Grundausbildung begonnen hatten. Ihr Regiment war am auf dem Rückweg von einer Übung, als es in den Schneesturm geriet. Gut 100 weitere Soldaten konnten sich retten.

Cheyre enthob die drei höchsten Offiziere des Regiments ihres Kommandos und ordnete eine Untersuchung an. "Der Marsch hätte bei diesen Wetterverhältnissen niemals angetreten werden dürfen. Es war der schlimmste Schneesturm seit 30 Jahren", sagte der General. Außerdem seien die Rekruten für einen derartigen Marsch zu schlecht ausgerüstet gewesen.

Schwächeanfälle

Überlebende berichteten, sie hätten ihre Kameraden hinter sich vor Schwäche umfallen sehen und sie zurücklassen müssen, um sich selbst zu retten. Der 18-jährige Juan Millar berichtete nach seiner Rettung, er habe in dem Schneesturm nichts sehen können. Schließlich seien die Rekruten angewiesen worden, ihre 45 Kilogramm schweren Rücksäcke abzulegen, um ihre Leben zu retten.

Erfahrenere Soldaten hätten ihre jungen Kameraden schließlich auf Schlafsäcke gelegt und sie wie auf Schlitten durch den Schnee gezogen. 112 Soldaten schafften es, eine Schutzhütte zu erreichen. Sie wurden am Samstag in die nahe gelegene Ortschaft Los Angeles ausgeflogen. (AP, DER STANDARD Printausgabe, 23.05.2005))

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