Exoberösterreichischer Architekturliteratenjubilar

22. Mai 2005, 21:47
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Friedrich Achleitner feiert den 75er - Derzeit arbeitet er an einem Architekturführer für Wien

Wien - Angeblich ist Friedrich Achleitner vor sieben Jahren in Pension gegangen, den Ruhestand hat er aber, wie DER STANDARD damals bereits erahnte, nie wirklich angetreten: zum Glück.

Heute, Montag, feiert der überzeugte Exoberösterreicher, der 1930 in Schalchen zur Welt kam und die erste Möglichkeit zur Flucht nach Wien ergriff, den 75. Geburtstag. Gefeiert wurde das bereits am Freitag im Architekturzentrum Wien, das Achleitners umfassendes Archiv der österreichischen Architektur im 20. Jahrhundert (mit mehr als 20.000 erfassten Objekten) horten darf. Eingeladen hatte der Zsolnay-Verlag, der Achleitners publizistische-literarische Arbeiten verwaltet.

Achleitner blieb auch nach seiner vermeintlichen Pensionierung eine Institution, und obwohl sich der Gründervater der heimischen Architekturkritik nicht mehr so oft zu den Themen der Baukunst äußert wie früher einmal, beglückte er die Szene der Lesenden zum Beispiel im Jahr 2000 mit seinen einschlafgeschichten.

Er könne eigentlich keine Geschichten erzählen, meinte er damals in einem Interview für die Literaturzeitschrift Wespennest - naja, selbst Friedrich Achleitner darf gelegentlich irren. Mit den einschlafgeschichten - gelungenen, fein-frechen Hirn- und Fingerübungen - setzte er den Aktionismus der Wiener Gruppe, deren Gründungsmitglied er war, in einer neuen Zeit literarisch raffiniert fort.

Holzmeister-Schüler

Achleitner, der gelernte Architekt und Holzmeister-Schüler, schrieb damals in den späten 50er-Jahren Dialektgedichte. Wenig später begann er in der Tageszeitung Die Presse die Architekturkritik neu zu definieren, und um 1965 nahm er seine rastlosen Durchwanderungen der österreichischen Architekturlandschaften auf, er analysierte Städte, Dörfer, Häuser sonder Zahl - und studierte nebenbei in so gut wie allen Konditoreien des Landes die unterschiedlichen Qualitäten der Cremeschnitten, für die er eine gewisse Schwäche hegt.

Bis 1998 lehrte er an der Wiener Universität für angewandte Kunst Geschichte und Theorie der Architektur. Seit er pensioniert ist, hat er wieder mehr Zeit für die Arbeit: Erwartet wird jetzt sein Architekturführer für Wien. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.05.2005)

Von Ute Woltron
  • Arbeitet derzeit an einem Architektur-führer für Wien: Friedrich Achleitner.
    foto: standard/newald

    Arbeitet derzeit an einem Architektur-führer für Wien: Friedrich Achleitner.

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