Die Grünen in der Strategie-Falle

24. Mai 2005, 15:08
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Leichtes Absinken in Rohdaten - Wenig Präsenz, Koalitionsspagat

Wien - Ein gewisser "Hirschmugl" empört sich auf der Homepage der Grünen: "Wenn die Grünen so herumlavieren, hilft nur mehr, SPÖ zu wählen." Hirschmugl dürfte nicht alleine sein: Erstmals sinken die Grünen bei Umfragen in den Rohdaten (die dann auf mögliche Stimmanteile hochgerechnet werden), beobachten Parteistrategen.

Peter Ulram vom Fessel-Institut, das immer wieder für die ÖVP arbeitet, kann das bestätigen: "Die Grünen lagen in den Rohdaten schon bei elf bis zwölf Prozent. Im April sind sie auf neun abgesunken." Ulram führt dieses Absinken im STANDARD-Gespräch darauf zurück, dass die Grünen zuletzt thematisch wenig präsent waren: "Die Republiksfeiern waren kein grünes Thema. Die Debatte um die EU-Verfassung ging an den meisten Leuten ohnehin vorbei und die Grünen spielten dabei keine Rolle. Die Bildungs-Debatte wäre zwar ein grünes Thema - die spielte sich aber hauptsächlich zwischen ÖVP und SPÖ ab." Ulram zieht daraus folgenden Schluss: "Die Grünen müssten, um im Match der Großen nicht unterzugehen, ihre inhaltlichen Schwerpunkte in Erinnerung rufen."

Denn wenn die einzige grüne Debatte laute, ob denn Rot-Grün oder Schwarz-Grün die bessere Koalition sei, könne das den Grünen mehr schaden als nutzen, meint Eva Zeglovits vom Sora-Institut: "Dieser Spagat ist nicht immer einfach." Schwarz-Grün schrecke linke Grün-Wähler - Rot-Grün bürgerliche. Wobei Grün-Wähler sich als links und bürgerlich sehen.

Eine Kernfrage für die Grünen bei der Nationalratswahl sieht Imma Palme vom Ifes-Institut, das immer wieder für die SPÖ arbeitet, darin, wie strategisch denkende Wähler entscheiden: "Es ist möglich, dass sie sichergehen wollen, dass die Regierungsmehrheit wechselt und SPÖ wählen." Prinzipiell ist Palme aber überzeugt, dass die Beliebtheit von Koalitionsoptionen der normativen Kraft des Faktischen folgt: "Der Wähler mag Koalitionen, die er kennt."

Die Links-rechts-Trennung unter Grün-Wählern ist laut Palme nicht am Kriterium Stadt-Land festmachbar: "Das gilt höchstens für Grün-Funktionäre." Und überall stechen Grün-Wähler im Vergleich zu anderen Parteien durch zwei Kriterien hervor: Sie sind jung - und gebildet. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.05.2005)

Von Eva Linsinger
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