Viel Feind, viel Ehr . . .

23. Mai 2005, 09:57
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Mit "Caché" etabliert sich Michael Haneke endgültig als Global Player des Kinos

Vielleicht ist die jüngste Anmerkung Michael Hanekes, Caché habe sich bestenfalls in zwei Länder noch nicht verkauft, eine heitere Übertreibung: Tatsächlich dürfte sich der rund acht Milllionen Euro teure Thriller rund um einen TV-Moderator (Daniel Auteuil), der mit kryptischen Videos bedroht wird, zum größten kommerziellen Erfolg in der bisherigen Karriere des österreichischen Regisseurs mausern. Und das, wohlgemerkt, nicht allein über die Nennung von Stars (neben Auteuil wirkt auch Juliette Binoche mit), sondern vor allem durch den Ruf und die Handschrift, die Haneke mittlerweile international etabliert hat.

Eine ähnlich rigide, kalte Filmsprache und Weltsicht muss man im Kino der letzten Jahre lange suchen und findet sie wohl nur beim polnischen Regisseur Krzysztof Kieslowski. Ähnlich wie Kieslowski, der zuerst mit harten Etüden wie Ein kurzer Film über das Töten für Kontroversen sorgte und am Ende mit der Trilogie Drei Farben auch die Mainstream-Medien überzeugte, ist auch Haneke - nach ersten TV-Filmen wie Lemminge - einen langen Weg der Überzeugungsarbeit gegangen: Von der Chronik eines Familien-Selbstmords, Der siebte Kontinent, über Variationen zum Prinzip Zufall und Gewalt bis herauf zu Caché, den selbst Variety als konsumabelste unter den bisherigen Arbeiten des 63-jährigen Österreichers bezeichnet.

Es ist nun abzuwarten, ob Michael Haneke so viel Wertschätzung auf sich sitzen lässt. Ein Teil seiner Popularität verdankt sich nicht zuletzt der eloquenten Ablehnung, mit der er zeitweilig von Cineasten gestraft wurde, und die er seinen Kritikern auch immer mit barer Münze heimgezahlt hat. Unvergesslich seine Kontroverse mit Viennale-Direktor Hans Hurch - die beiden sind mittlerweile wieder versöhnt - über "Verwahrlosungsbilder" im österreichischen Film. Immerhin, und das dürfte ihn fast beruhigen, provozierte Caché die renommierten Cahiers du Cinema zu totaler Ablehnung. Das lässt für die nächsten Monate (der Film startet im Herbst in Frankreich und in Österreich) noch ein heiteres, wildes, schlagzeilentaugliches Pro und Kontra erwarten.

Über die kommenden Filmprojekte hüllt sich Michael Haneke noch in Schweigen. Sein nächstes Großprojekt führt ihn erstmals in die Oper: An Gerard Mortiers Bastille wird er Mozarts Don Giovanni inszenieren. Weiterhin wird er wohl an der Wiener Filmakademie unterrichten. Der Einfluss Hanekes auf die junge heimische Generation, er ist ja auch in Arbeiten von Jessica Hausner, Ruth Mader und anderen deutlich ablesbar. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.05.2005)

Von Claus Philipp
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    Regiepreis als Zufallsprodukt? Haneke bei der Abschlussgala.

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