Das alte US-Muster

22. Mai 2005, 18:41
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Ehemaliger britischer Botschafter zieht pikanten Vergleich zwischen der US-Politik gegenüber Saddam Hussein und gegenüber Islam Karimow - Von Josef Kirchengast

Wir haben einen Diktator verjagt, um uns den Zugang zu Ölquellen offen zu halten, und wir unterstützen einen Diktator, um uns den Zugang zu Ölquellen offen zu halten." Craig Murray, ehemaliger britischer Botschafter in Usbekistan, zieht einen pikanten Vergleich zwischen der US-Politik gegenüber Iraks Saddam Hussein und gegenüber dem usbekischen Staatschef Islam Karimow. Murray hatte schon vor einiger Zeit auf die Gefahr hingewiesen, welche die Stützung Karimows durch die USA in sich berge, und deswegen seinen Posten verloren. Die jüngste Entwicklung gibt ihm in beängstigender Weise Recht.

Erst nach längerem Schweigen hat Washington von Karimow die Zustimmung zu einer unabhängigen Untersuchung des Blutbads von Andischan verlangt und im Verweigerungsfall mit Nichtausbezahlung von Hilfsgeldern gedroht. Trotzdem bleibt die amerikanische Kritik an dem usbekischen Herrscher, dessen Methoden ja - siehe Murray - seit Langem bekannt sind, sehr verhalten.

Die USA wollen ihren großen Luftwaffenstützpunkt in Usbekistan nicht gefährden. Von dort aus werden die amerikanischen Militäroperationen in Afghanistan unterstützt und teilweise gesteuert. In Afghanistan wiederum ist die antiamerikanische Stimmung durch die (wenngleich umstrittenen) Berichte über Koran-Schändungen in Guantánamo und über Folterungen von Gefangenen im Lande selbst neu angeheizt worden.

Insgesamt ergibt das ein explosives Gemisch mit dem Potenzial, ganz Zentralasien weiter zu destabilisieren. Wenn Washington - übrigens in Übereinstimmung mit Moskau - wirklich glaubt, einen ziemlich skrupellosen Diktator als vermeintliches Bollwerk gegen den islamischen Extremismus an der Macht halten zu müssen, wird es damit genau diesen Extremismus weiter fördern. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.05.2005)

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