Internationaler Medien-Kongress diskutiert Pressefreiheit in Afrika

25. Mai 2005, 09:54
posten

IPI: "Unabhängiger Journalismus durch Zensur, Gewalt und Mord bedroht"

Der Direktor des Internationalen Presseinstituts (IPI), Johann Fritz, hat den Mangel an Pressefreiheit in Afrika beklagt. "Unabhängiger Journalismus in Afrika ist bedroht durch Zensur, aber auch von physischer Gewalt, Inhaftierungen und selbst Mord", sagte er zum Auftakt des IPI-Weltkongresse am Sonntag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. "In 30 von 53 afrikanischen Staaten gibt es keine Pressefreiheit. Damit macht Afrika mehr als 40 Prozent der Länder aus, in denen keine Pressefreiheit herrscht", sagte Fritz weiter.

Die Freiheit der Presse in Afrika ist das Hauptthema des Weltkongresses des Internationalen Presseinstituts. Die Konferenz kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den Gastgeber, den kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki. Ehefrau Lucy hatte sich in den vergangenen Wochen heftig mit den einheimischen Medien angelegt. Ein Journalist verklagte sie, weil sie ihm eine Ohrfeige verpasst und seine Kamera zerstört habe, doch der Staatsanwalt lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Dessen ungeachtet lobte Kibaki in seiner Eröffnungsrede vor etwa 400 Delegierten die "vollkommene Presse- und Meinungsfreiheit, ohne jede Einmischung der Regierung", die in Kenia herrsche.

Der ruandische Präsident Paul Kagame kritisierte die Stereotypen, die seiner Ansicht nach in westlichen Medien über Afrika verbreitet werden. "Das Bild von Afrika ist noch immer von Hunger, Armut und Krieg geprägt", sagte er. "Aber selbst wo Gesellschaften scheitern - wie Ruanda während des Völkermords von 1994 - haben wir bewiesen, dass wir einen Neuanfang schaffen können. Davon berichten die Medien zu wenig", fügte er hinzu. (APA)

Share if you care.