Heino will "singen bis zum Umfallen"

30. Mai 2005, 22:29
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Deutschlands bekanntester Barde schmiedet zum 50-jährigen Bühnenjubiläum zahlreiche Pläne für die Zukunft

München - Mit einer großen Tournee im Herbst feiert Deutschlands bekanntester Volksmusik-Barde Heino sein 50-jähriges Bühnenjubiläum - und ans Aufhören denkt der 66-Jährige noch lange nicht. "Ich werde singen bis zum Umfallen - so lange die Gesundheit das mitmacht", betont der Sänger in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Seine Frau Hannelore pflichtet bei: "Ich glaube, Heino wird, wie unser Freund Jopie Heesters, mit dem wir im Dezember den 101.Geburtstag gefeiert haben, so lange singen, wie ihm der liebe Gott die Stimme lässt."

Heinz-Georg Kramm, so Heinos voller Name, war gerade 16 Jahre alt und hatte die Prüfung zum Bäckergesellen bestanden, als ihn im Jänner 1955 sein Meister bat, auf einem Fest zu singen: "Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie und war schon in jungen Jahren immer von Musik umgeben", erzählt Heino. Der Großvater war Kantor im Kölner Dom und hat dort Orgel gespielt. Seine Mutter Franziska habe gesungen "wie ein Glöckchen", so schön, dass ihm dabei "regelmäßig die Tränen in die Augen schossen".

Sein Vater, ein Zahnarzt, fiel 1941 an der Ostfront, als Heino noch nicht einmal drei Jahre alt war. "Ich werde meiner Mutter nie vergessen, als Weihnachten 1948 - ich hatte gerade meinen zehnten Geburtstag gefeiert - mein langersehntes Akkordeon unter dem Weihnachtsbaum lag", sagt Heino. Seine Mutter habe sich das Instrument von ihrem Putzlohn und ihrer bescheidenen Rente abgespart und es zusätzlich jeden Monat mit fünf Mark abbezahlt.

Heute muss er schmunzeln, wenn er an seine Anfänge denkt: Als er 1965 seine erste Single aufnehmen konnte, nachdem er auf einer Modenschau von einem Produzenten entdeckt worden war: "Wie man mich damals beschimpft und belächelt hat, weil ich altmodische Volksmusik statt Beat gemacht habe", sagt Heino. "Von denjenigen, die mich früher ausgelacht haben, gibt es heute einige, die inzwischen auch für sich die Volksmusik erkannt haben", merkt er mit einem Lächeln an.

Heute liegt dem Sänger mit der dunklen Sonnenbrille die Traditionspflege mehr denn je am Herzen: Vor ein paar Monaten gründete er den Volksmusikclub "Stimme der Heimat", um volkstümliche Musik, Brauchtum und Künstlernachwuchs zu unterstützen. Jüngst forderte er, "Volksmusikkunde" als Fach in den Schulen einzuführen. "Weil ich es schade finde, dass die Jugend die klassischen Volkslieder kaum noch kennt und ich diese Tradition gerne pflegen möchte", betont Heino.

Nach 50 Jahren zahlloser Auftritte in aller Welt und weit über 40 Millionen verkaufter Tonträger plant Heino zum Jubiläum im Herbst seine, wie er sagt, erste richtige Solo-Tournee - "nachdem ich in all den Jahren meiner Karriere eigentlich nie solo aufgetreten bin, sondern immer gemeinsam mit namhaften Kollegen". Im Oktober soll "Heino - Die Show" mit großem Orchester starten.

"Mir macht die Bühne heute noch genauso viel Spaß wie früher", betont der 66-Jährige. "Ich bin vor dem Auftritt auch noch aufgeregt wie ein Schuljunge." Die Konzerte seien für ihn eher ein Ausgleich als Stress. "Wenn mir mein Beruf keinen Spaß mehr machen würde, würde ich ihn auch sicher nicht mehr ausüben", sagt er.

Privat musste der Sänger in der jüngeren Vergangenheit einige Schicksalsschläge verkraften. Ende 2003 nahm sich seine 34-jährige Tochter aus einer früheren Beziehung das Leben, seine Frau Hannelore erlitt vor knapp einem Jahr einen Herzinfarkt und musste zwei schwere Operationen überstehen.

Doch die hat Hannelore Kramm so gut überstanden, dass es ihr heute schwer fällt, sich zu schonen: "Ich weiß zwar, ich sollte mein Leben ändern", sagt sie. "Manchmal denke ich auch, ich muss etwas kürzer treten - aber mitgefangen bedeutet mitgehangen." Sie besteht darauf, ihren Mann bei allen Auftritten zu begleiten - und die seien heute zahlreicher als je zuvor. (APA/AP)

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    Heino: "Volksmusikkunde" als Unterrichtsfach.

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