Michael Haneke mit drei Preisen erfolgreichster Regisseur

22. Mai 2005, 11:46
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Goldene Palme an "L'enfant" der belgischen Brüder Dardenne - US-Kultregisseur Jim Jarmusch erhält Großen Preis der Jury

Cannes - Der österreichische Regisseur Michael Haneke wurde bei den 58. Filmfestspielen in Cannes für seinen Film "Caché" gleich mit drei Preisen geehrt: Nachdem der 63-jährige Filmemacher bereits am Freitag von der internationalen Filmkritik FIPRESCI und der ökumenischen Jury prämiert wurde, erhielt er bei einer Gala Samstag Abend von den Oscar-Preisträgern Hilary Swank und Morgan Freeman die Auszeichnung als bester Regisseur überreicht. Der Hauptpreis des Festivals, die Goldene Palme ging an das belgische Brüderpaar Jean-Pierre und Luc Dardenne für ihr realistisches Drama "L'enfant".

Goldene Palme an "L'enfant"

Die Dardenne-Brüder widmeten ihre Goldene Palme der französischen Journalistin Florence Aubenas und deren mit ihr im Irak verschleppten Chauffeur. Bereits 1999 hatten sie den Hauptpreis des Festivals an der Côte d'Azur erhalten - damals für "Rosetta". Insgesamt standen 21 Produktionen im Wettbewerb des Festivals, darunter Werke bekannter Filmemacher wie Lars von Trier, David Cronenberg oder Gus Van Sant.

Hanekes verstörendes Psychodrama

Martin Schweighofer, Geschäftsführer der Austrian Film Commission (AFC), sprach in einer ersten Reaktion gegenüber der APA von einem "tollen Erfolg für Haneke und eine weitere große Ermutigung für den österreichischen Film". In Hanekes verstörendes Psychodrama fühlen sich die beiden Hauptdarsteller Juliette Binoche und Daniel Auteuil durch anonyme Videoaufnahmen ihres Hauses und ihrer Familie zunehmend bedroht. 2001 hat der österreichische Regisseur mit seiner Verfilmung des Elfriede Jelinek-Romans "Die Klavierspielerin" in Cannes den Großen Preis der Jury sowie zwei Darstellerpreise gewonnen.

Jim Jarmusch für "Broken Flowers" prämiert

Die Cannes-Jury unter dem Vorsitz des serbischen Regisseurs Emir Kusturica zeichnete den als Favoriten gehandelten US-Kultregisseur Jim Jarmusch für seinen Film "Broken Flowers" mit dem Grand Prix der Jury aus; dieser gilt als zweiter Platz des Hautwettbewerbs. Hollywoodstar Tommy Lee Jones wurde als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet. Sein zeitgenössischer Western "The Three Burials of Melquiades Estrada", bei dem er auch selbst erstmals Regie geführt hatte, erhielt zudem den Preis für das beste Drehbuch. Die Israelin Hanna Laslo erhielt die Auszeichnung als beste Darstellerin in Cannes für ihre Rolle in "Free Zone" von Amos Gitai. Der Jurypreis des Festivals ist an den Chinesen Wang Xiaoshuai vergeben worden. Er erhielt die Auszeichnung für den Film "Shanghai Dreams".

Weitere Auszeichnungen

Die Caméra d'or (Goldene Kamera) für den besten Erstlingsfilm ging zu gleichen Teilen an "Sulanga enu pinisa" von Vimukthi Jayasundara (Sri Lanka) sowie "Me and you and everyone we know" von Miranda July (USA). Mit der Goldenen Palme für den besten Kurzfilm wurde Igor Strembitskyy (Ukraine) für "Podorozhni" geehrt.

Das Festival endet morgen, Sonntag, mit der Vorführung der prämierten Filme. Als Schlussfilm wurde "Chromophobia" von der britischen Regisseurin Matha Fienes ausgewählt. (APA/dpa)

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    Die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne aus Belgien galten als Geheimtipp. Ihr Streifen "L'enfant" (Das Kind) wird als realistische, bewegende Studie des Lebens am Rande der Gesellschaft gelobt.

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    Der österreichische Regisseur Michael Haneke mit seiner Hauptdarstellerin Juliette Binoche.

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