Salzburgs Grüne über Aus für Festspielrede empört

24. Juli 2005, 21:30
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Schwaighofer: LH Burgstaller mag offensichtlich keine kritischen Töne sondern nur Politikerreden

Salzburg - Gegen die Abschaffung der Festrede bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele protestierte der Landessprecher der Salzburger Grünen, LAbg. Cyriak Schwaighofer. "Dass die Landesregierung niemanden finden kann oder will, der etwas Substanzielles zum Zustand dieser Welt zu sagen hat, ist eine kulturpolitische Bankrotterklärung", so Schwaighofer am Freitag in einer Aussendung.

"Die Politikerreden bleiben, aber die freie, an das Gewissen mahnende Rede wird eliminiert. Offensichtlich mag die Landeshauptfrau bei den Festspielen keine kritischen Töne mehr hören und nimmt dafür lieber in Kauf, dass Salzburg endgültig in das Provinzielle der grenzenlosen Beliebigkeit abgleitet", so der Grüne.

Idee des Friedens und der Humanität verpflichtet

Die Gründer der Festspiele hätten das Festival auch der Idee des Friedens und der Humanität verpflichtet gesehen, seit 1964 sei versucht worden, diese Idee bei der Eröffnung durch einen hochkarätigen Festspielredner zu transportieren. "Festspielredner wie der Dalai Lama, Eugene Ionesco oder Vaclav Havel hatten über den Zustand dieser Welt etwas zu sagen. Aber anscheinend empfindet die Landeshauptfrau derart programmatische, substanzielle Reden, solche nicht an gängige Denkschemata gebundenen Ansichten und Mahnungen als zu wenig kurzweilig. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Festspielrede nun von kurzen, leicht zu konsumierenden Produktions-Appetizern aus dem Festspiel-Programm abgelöst werden soll."

Der Hinweis aus dem Burgstaller-Büro, man würde die Eröffnungsrede wieder einführen, "wenn es eine Persönlichkeit gibt, die sich zwingend anbietet", ist für den Kultursprecher der Grünen eine "kulturpolitische Bankrotterklärung". In wenigen Tagen würden sich in Salzburg rund 70 Träger des Alternativ-Nobelpreises treffen, "und die Landesregierung ist nicht im Stande, einen Festredner aufzustellen". Salzburg entferne sich immer mehr von dem Anspruch, ein geistig-kulturelles Zentrum in Europa zu sein.

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) will beim Festakt statt der Eröffnungsrede die Kunst selbst in den Mittelpunkt rücken. So sollen kurze Ausschnitte der wichtigsten Schauspiel- und Musiktheaterproduktionen neben den deutlich verkürzten Eröffnungsreden von Bundespräsident, Bundeskanzler und Landeshauptfrau präsentiert werden. Es solle mehr Platz für die Kunst selbst geschaffen und das Publikum nicht überstrapaziert werden, hatte es aus Burgstallers Büro geheißen. (APA)

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