Karzai fordert von USA Konsequenzen aus Folterbericht

23. Mai 2005, 11:01
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Afghanischer Präsident will Heimkehr der Guantanamo-Häftlinge verlangen - Treffen Bush-Karzai in kommender Woche

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die USA aufgefordert, Konsequenzen aus den jüngsten Foltervorwürfen gegen US-Soldaten in Afghanistan zu ziehen. Seine Regierung wolle die Zuständigkeit für alle afghanischen Gefangenen und die Kontrolle über US-Militäroperationen im Land erhalten. "Wir wollen, dass die US-Regierung sehr, sehr drastische Maßnahmen ergreift, um solche Leute zu entfernen", sagte Karzai mit Blickrichtung auf US-Soldaten, die Ende 2002 den Tod zweier Gefangener in einer US-Militärbasis in Afghanistan verschuldet haben sollen. Die USA haben in dem Land rund 18.300 Soldaten stationiert.

Karzai in USA

Karzai sollte noch am Samstag zu einer bereits länger geplanten Reise in die USA aufbrechen, wo er in der kommenden Woche mit US-Präsident George W. Bush sprechen soll. Er werde bei seinen Gesprächen in den USA fordern, dass die US-Armee nicht mehr ohne das Wissen der afghanischen Regierung nach Verdächtigen im Land sucht, sagte Karzai. "Es sollte kein Einsatz in Afghanistan stattfinden, ohne dass darüber zuvor mit der afghanischen Regierung beraten wurde", unterstrich der Präsident. Zudem werde er darauf dringen, dass alle afghanischen Häftlinge in ihr Heimatland zurückkehren.

550 Häftlinge ohne Anklageerhebung

Die USA halten auf dem Stützpunkt Guantanamo Bay in Kuba mehr als 550 Häftlinge ohne Anklageerhebung und Gerichtsverfahren fest, von denen viele Ende 2001 bei der militärischen Niederwerfung des Taliban-Regimes in Afghanistan gefangen genommen worden waren. Es wird zudem davon ausgegangen, dass die US-Armee mehrere hundert Afghanen innerhalb Afghanistans gefangen hält. (APA/Reuters)

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    Karzai: "Wir wollen, dass die US-Regierung sehr, sehr drastische Maßnahmen ergreift."

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