Bergdrama in den Anden: Kältetod 42 chilenischer Soldaten befürchtet

22. Mai 2005, 21:13
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Dreitägige Staatstrauer für Opfer des "Schnee-Tsunami" angeordnet - Bisher 14 Leichen von Suchmannschaften geborgen

Santiago de Chile - Bei der schwersten Tragödie der chilenischen Streitkräfte zu Friedenszeiten sind in den Anden aller Wahrscheinlichkeit nach mindestens 42 Soldaten erfroren. Das sagte Heereschef General Juan Emilio Cheyre am Freitag angesichts eisiger Temperaturen von 20 Grad unter Null, heftiger Winde und starken Schneefalls in der Region etwa 500 Kilometer südlich von der Hauptstadt Santiago.

Zugleich enthob er drei Kommandanten der betroffenen Militäreinheit in der Stadt Los Angeles ihrer Posten und ordnete eine Untersuchung durch die Militärstaatsanwaltschaft an.

Zuvor hatte Präsident Ricardo Lagos in einer Fernsehansprache mitgeteilt, dass am Freitag 13 Leichen gefunden worden seien. Damit stieg die Zahl der tot geborgenen jungen Männer auf 14, nachdem am Vortag bereits eine Leiche gefunden worden war. Der Staatschef rief eine dreitägige Staatstrauer aus und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Bei dem bisher schwersten Militär-Unglück waren 1927 zwölf Soldaten bei dem Zusammenstoß von zwei Zügen ums Leben gekommen.

Verzweifelte Angehörige warfen dem Militär vor, die unerfahrenen Rekruten trotz eines angekündigten Unwetters zu dem Übungsmarsch in die Anden geschickt zu haben. Das Verteidigungsministerium widersprach Berichten, die Soldaten seien nicht mit ausreichend warmer Kleidung ausgerüstet gewesen. Es räumte aber ein, dass der Wetterbericht missachtet worden sei.

Die Soldaten gehörten zu einer Einheit von insgesamt 433 Mann, die am Mittwoch bei einem Marsch über 25 Kilometer in der Region des 2985 Meter hohen Vulcans Antuco in einen Schneesturm geraten waren. Besonders gefürchtet ist der "weiße Wind" mit Orkanböen und starken Schneefällen. Cheyre sprach von einem "Schnee-Tsunami". (APA/dpa)

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