Mama oder Mutter Teresa

22. Mai 2005, 12:00
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Vorbilder prägen: Wie und nach welchen Kriterien Vorbilder ausgesucht werden, zeigt die Accenture-Studie "Frauen und Vorbilder"

Ob das ganze Leben lang oder nur als begleitender Lebensabschnittspartner: Das Vorbild - die gewissermaßen zu Fleisch gewordene Lebenshaltung - steht für Werte, vor allem aber für ein Bedürfnis nach Orientierung. Das zuzugeben fällt oft schwer - Männern mehr als Frauen. Dennoch: Unter den für die Accenture-Studie befragten 246 Führungskräften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gaben rund 80 Prozent an, ein Vorbild zu haben oder einmal eines gehabt zu haben.

Bei der Auswahl gingen laut Heidemarie Schutt, Associate Partner bei Accenture, die Vorgehensweisen von Frauen und Männern auseinander. Interessant sei dies vor allem im Bereich des Coachings und Mentorings in bestimmten Lebens-, vor allem aber Karrierephasen. Männer neigen eher dazu, so Schutt, sich ihre Vorbilder in der unmittelbaren "Praxis" und je nach Anforderung auszusuchen - seien also pragmatischer angelegt als Frauen, die ihren Vorbildern eher die "Treue halten".

Vorbild als Mentor

"Es wäre für das Karriere-Fortkommen der Frauen gut, ähnlich wie ihre männlichen Kollegen zu handeln", so Schutt. Dies würde die Vorbilder zwar einerseits "instrumentalisieren", sie aber andererseits nicht überhöhen, zumal diese dann ausschließlich einem einzigen Lebensbereich dienen.

Auch die Bereiche, aus denen Vorbilder gewählt werden verstärken den Eindruck. Während Frauen die Mehrheit ihrer Vorbilder aus dem Bereich Familie und Freunde (53 Prozent) aussuchen, gefolgt von Vorgesetzten und Arbeitskollegen (20 Prozent), Schule, Ausbildung und Uni (20 Prozent), Religion und karitative Organisationen (14 Prozent) und Politik (12 Prozent), stellt sich das Vorbild-Ranking der Männer wie folgt dar: Familie und Freunde (35 Prozent), Vorgesetzte und Arbeitskollegen (26 Prozent), Wirtschaft (26 Prozent), Politik (21 Prozent) und Wissenschaft (19 Prozent).

Leben oder Karriere

Die Gründe für die unterschiedliche Orientierung lägen auf der Hand: Zum einen würde man grundsätzlich dazu neigen, sich gleichgeschlechtliche Vorbilder zu suchen, die zum anderen etwa im Bereich der Wirtschaft zu wenig an der Zahl und zu wenig moralisch seien - der tendenziellen Vorbild-Ausrichtung der Frauen auf der Suche nach "Dauerbrennern".

Bei Männern würden Vorbilder bei der größten beruflichen Herausforderung, der Übernahme von Führungsaufgaben, eine Renaissance erleben. Frauen hingegen würden ihren Vorbildern in der Persönlichkeitsentwicklung mehr Platz einräumen. (DER STANDARD, Printausgabe 21./22.05.2005)

Von Heidi Aichinger

www.accenture.at
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