Eine extravagante Tochter

20. Mai 2005, 20:25
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Belinda Stronach wird Arbeitsministerin in der liberalen Regierung Kanadas

Belinda Stronach hat schon früh in ihrem Leben gewusst, was ihrem Vater gefällt: Im Restaurant bestellte sie als Kind immer dasselbe Essen wie Frank Stronach, der aus Weiz stammende Industrielle und Gründer von Magna International. Die kanadische Milliardärstochter - nicht ihr Bruder Andrew - war bis zum Januar 2004 Konzernchefin und Präsidentin des weltweit tätigen Autozulieferers. Und Belinda Stronachs 13-jähriger Sohn heißt natürlich Frank.

Ihre Mutter Elfriede soll gegen den Eintritt der Tochter in die Politik gewesen sein, als sich Stronach 2004 um den Vorsitz der Konservativen Partei Kanadas bewarb. Frank Stronach war aber ganz dafür. Schließlich hatte er 1988 auch versucht, Abgeordneter der Liberalen zu werden, allerdings vergeblich. Dank eines überraschenden Frontenwechsels stieg seine 38-jährige Tochter nun auch gleich ganz oben in der Politik ein und bekam den Posten einer Arbeitsministerin in der liberalen Regierung.

Frank Stronach, einst als Franz Strohsack geboren und als armer Immigrant in Kanada gelandet, muss stolz auf seine loyale Tochter sein. Zwar betont Belinda immer wieder, wie bescheiden doch die Anfänge ihrer Familie in der kanadischen Stadt Aurora waren, wo sie aufwuchs: dass die Familie am Anfang nicht einmal einen Swimmingpool besaß. Und dass sie heute lieber "in Jeans, T-Shirt und Cowboystiefeln" auftreten würde als in ihren Chanel-oder Valentino-Zweiteilern.

Sie möchte den Eindruck von Normalität erwecken, aber normal ist an Belinda Stronachs Karriere kaum etwas. Sie saß zwar als Abgeordnete fleißig im Parlament und warb hart um ihre WählerInnen, aber auf Parteiveranstaltungen trug die zweifache Mutter eine knallgrüne Lederjacke von Hugo Boss, schickte ihren Parteifreunden Blumen und finanzierte extravagante, teure Parteifeste.

Auch ihr Privatleben war stets für Schlagzeilen gut. Ihre erste Ehe mit dem Ex-Magna-CEO Donald Walker war bereits 1995 geschieden worden, eine zweite mit dem norwegischen Eisschnellläufer Johann Olaf Koss dauerte gerade drei Jahre. Ihre Liebesbeziehung mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Konservativen, Peter MacKay, wurde öffentlich ebenso heiß diskutiert wie die enge Freundschaft mit US-Expräsident Bill Clinton.

Belinda Stronach ließ Peter MacKay jedoch ebenso abrupt hinter sich wie ihre beiden früheren Ehemänner - und wie die Konservative Partei. Einem bleibt sie aber treu: ihrem Vater. Denn es gilt, eine Mission zu erfüllen: den politischen Aufstieg der Familie Stronach. Wenig zählt dabei, dass sie kaum das in Kanada wichtige Französisch spricht, noch schlechter als die deutsche Muttersprache ihrer Eltern, und dass ihre politische Erfahrung für die Leitung eines äußerst komplexen Ministeriums nur marginal ist. (DER STANDARD, Printausgabe 21./22.05.2005)

Von Bernadette Calonego
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    Belinda Stronach, Neuzugang in der liberalen Regierung von Kanada.
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