Vom Zuckerhügel zum tiefen Delta-Blues

20. Mai 2005, 21:01
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Skip McDonalds gastierte mit der US-Band Little Axe im Porgy & Bess: Der Blues ist immer und überall

Wien - Die Behutsamkeit, mit der Bernard Alexander alias Skip McDonalds seine Schritte auf den Boden des Porgy & Bess setzte, entsprach den dabei gefühlvoll aus seiner Gitarre entlockten Klängen. Zwar begab sich der Amerikaner, der einst als Mitglied der Hausband des New Yorker Sugar-Hill-Labels HipHop-Meilensteine wie The Message mit verantwortet hat, damit auf gefährliches Terrain. Denn diese Blues-Suche zwischen den Saiten, dieses Hörbarmachen von Tönen, die nicht gespielt werden, mutete bei dem Auftritt mit seiner Band Little Axe stellenweise ein wenig akademisch an. Im Gebaren ebenso wie im Resultat.

Doch diese eingangs präsentierte Übersensibilität wich unter dem Zutun seiner beiden Langzeitweggefährten Doug Wimbish und Keith Le Blanc bald einer druckvollen Performance, die sich dem bestimmenden Thema des Abends, dem Blues, aus verschiedensten Richtungen näherte. Dabei trat die gemeinsame Vergangenheit der drei bei Formationen wie Tackhead ebenso zutage wie der Einfluss ihres berühmten Freundes Adrian Sherwood, dem Produzenten von Little Axe.

McDonalds' Karriere ist geprägt von der beständigen Suche nach Neuem. Berührungsängste kennt er nicht. Mit Tackhead fusionierte er Ende der 80er harten Funk mit technoiden Sounds, mit Little Axe vermengt er seit vier Alben Blues mit Dub- und HipHop-Charakteristika, bringt Funk mit Gospel auf Kollisionskurs und lässt dabei Sounds erblühen, die so manche düstere TripHopper mit ihren Samplern blass aussehen lassen.

Little Axe gelingt es also sogar, einem Genre wie dem Blues noch neue ästhetische Facetten abzugewinnen. Wimbishs atmosphärisches Bassspiel gepaart mit Le Blancs dichten Rhythmen schuf live die Basis, auf der McDonalds sein zwischen notenfaulem Jimi Hendrix und ausgeruhtem Charly Patton wandelndes Spiel erblühen ließ.

Ein bedrohlicher alter Delta-Blues - Mean Things vom aktuellen Album Chamapgne & Gritts - traf auf verwegenes Slide-Spiel, wurde von Wimbishs fünfsaitigem Bass in ungehörte Weiten transportiert und von Le Blanc wieder geerdet: Ein fantastischer Auftritt, bei dem man schließlich auch noch eine etwas länglich geratene Version von The Message gab. Groß und mächtig! Lediglich Le Blancs Schlagzeugsolo war verzichtbar. (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.05.2005)

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    foto: standard/fischer
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