Kritik an Rohrweihen-Abschuss in Niederösterreich

27. Mai 2005, 12:39
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Forschungsprojekt für den WWF "Ausrottungskampagne"

Wien - 144 Rohrweihen - eine seltene Greifvogelart - sollen in den kommenden drei Jahren in Niederösterreich für Forschungszwecke geschossen werden. Am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur wird der Mageninhalt der Tiere untersucht, um ihren Einfluss auf den Niederwildzuwachs - Hasen, Fasane, Rebhühner - zu untersuchen. Auftraggeber ist der NÖ Landesjagdverband.

"Die Rohrweihe ist bereits gut erforscht", betonte am Freitag der Artenschutzexperte Norbert Gerstl vom WWF in eine gemeinsamen Pressekonferenz mit BirdLife und dem Tierschutzverein Vier Pfoten. Die Organisationen fordern einen Stopp der "Ausrottungskampagne" (Gerstl). Das Fressverhalten könne auch mit Gewölleuntersuchungen und Beobachtungen der Horste dokumentiert werden. Gerstl: "Es ist einfach der Wunsch der Jäger, den Rohrweihenbestand zu dezimieren, weil die Vögel Konkurrenten sind."

Der Vorwurf, das Projekt würde bloß den Abschuss der Rohrweihen in Niederösterreich "tarnen", weist der Jagdverband vehement zurück. Der Ausgang des Projektes sei offen und solle künftig Vorwürfe "diverser Artenschutzorganisationen entgegentreten, die auf ,fehlende Studien' hinweisen", heißt es in einer Aussendung.

In Österreich gibt es derzeit 300 bis 400 Brutpaare, die Population ist seit 1990 zwischen 20 und 29 Prozent gestiegen. 144 klinge viel, räumt Klaus Hackländer, Vorstand des Instituts für Wildbiologie ein. Pro Jahr seien das 48 Vögel, in jedem der zwölf Reviere werden im März, Mai, Juni und August jeweils ein Tier geschossen, rechnet Hackländer vor. Daher sei die Untersuchung des Mageninhaltes unumgänglich. Denn die Speiballen - das Fell, die Federn und auch Knochen der Beutetiere - finde man nicht leicht, argumentiert der Wildbiologe. Nestbeobachtungen seien heikel, weil die Tiere bei der kleinsten Störung ihre Brut aufgäben. Hackländer: "Wir haben uns zu dem Projekt bereit erklärt, weil die Tierart nicht mehr stark gefährdet ist." In Tschechien, der Slowakei und Ungarn betrage der Zuwachs sogar 50 Prozent. "Ich wünsche mir Flexibiliät auf beiden Seiten", sagt Hackländer, "bei den Naturschützern und bei den Jägern." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.05.2005)

Von Bettina Fernsebner-Kokert

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WWF Österreich

  • Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) lebt in offenen Landschaften wie dem östlichen Niederösterreich und ernährt sich von Vögeln und kleinen Säugetieren.
    foto: der standard/wwf

    Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) lebt in offenen Landschaften wie dem östlichen Niederösterreich und ernährt sich von Vögeln und kleinen Säugetieren.

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