Abbas ruft "alle Parteien" zu Einhaltung von Waffenruhe auf

21. Mai 2005, 18:15
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Neue Gewalt im Gazastreifen: Israelische Soldaten nahe Rafah beschossen - Mörsergranaten in Siedlungen eingeschlagen

Jerusalem/Neu Delhi - Vor dem Hintergrund des immer brüchiger werdenden Waffenstillstands zwischen Israel und den Palästinensern bemüht sich der palästinensische Präsident Mahmud Abbas um eine Beruhigung der Lage. Auf einer Asien-Reise sagte Abbas am Freitag in der indischen Hauptstadt Neu Delhi: "Ich hoffe, dass sich alle Parteien zurückhalten und die Waffenruhe vom 8. Februar nicht gefährden." Der Waffenstillstand sei im Interesse beider Seiten.

Nahe Rafah an der Grenze zu Ägypten schossen Palästinenser auf israelische Soldaten, wie ein israelischer Militärsprecher mitteilte. Überdies seien Mörsergranaten in den Siedlungen Neve Dekalim und Netsarim eingeschlagen. Bei beiden Vorfällen seien keine Menschen zu Schaden gekommen.

Die israelische Regierung machte die palästinensische Autonomiebehörde für die Gewalt verantwortlich. Der Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, Dov Weisglass, hatte mit einem militärischen Eingreifen Israels gedroht, falls die Gewalt anhalte.

Trotz der erneut zunehmenden Gewalt im Gazastreifen will Abbas am Termin für die Parlamentswahl in den Palästinenser-Gebieten am 17. Juli festhalten. "Ich habe nicht die Absicht die Wahl zu verschieben", sagte er nach einem Treffen mit Indiens Regierungschef Manmohan Singh. Dabei ging es am Ende von Abbas' zweitägigem Indien-Besuch um den Nahost-Friedensprozess.

Israel hebt Abriegelung von nördlichem Sektor im Westjordanland auf

Die israelische Armee hat indessen die Abriegelung des nördlichen Westjordanlandes aufgehoben. Das teilte ein Armeesprecher mit. Die Palästinensergebiete waren am 10. Mai aus Angst vor Anschlägen während des israelischen Nationalfeiertags am 12. Mai vollständig abgesperrt worden. Fünf Tage später wurde die Blockade aufgehoben; der Norden des Westjordanlands blieb allerdings gesperrt, weil es Informationen über Angriffspläne von dort aus gegeben hatte.

In Ramallah im Westjordanland beschlagnahmten israelische Soldaten unterdessen die Ausrüstung eines illegalen palästinensischen Radiosenders. Der Sender habe das Luftkontrollsystem am Flughafen von Tel Aviv gestört, teilte die Armee mit. Bei der Razzia hätten die Soldaten das Feuer eröffnet, es sei aber niemand verletzt worden.

Am Donnerstag hatte ein aus der Türkei einfliegendes Flugzeug Alarm im Kontrollturm in Tel Aviv ausgelöst, als es eine mögliche Störung im Fahrgestell meldete. Die Kommunikation mit den Piloten war nach Angaben der Flughafenverwaltung durch zwei Piratensender im Westjordanland stark gestört. Die Maschine konnte schließlich sicher landen.´(APA/AP/dpa)

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