Antiamerikanische Proteste wegen Bericht über Koran-Schändung

25. Mai 2005, 10:51
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Trotz Rückzug der "Newsweek"-Meldung - Moslems von Palästina bis London auf der Straße

London - Die Welle antiamerikanischer Proteste nach dem "Newsweek"-Bericht über Koran-Schändungen in US-Militärgefängnissen ebbt nicht ab. Zehntausende Muslime demonstrierten am Freitag im Westjordanland, im Irak, in Somalia und Großbritannien gegen den offenbar respektlosen Umgang mit ihrer Heiligen Schrift durch amerikanische Soldaten.

Ein früherer Häftling des US-Militärgefängnisses Guantanamo auf Kuba schilderte bei einer Großdemonstration in London, wie Wärter seinen Koran mehrfach auf den Boden geschleudert hätten, um ihn einzuschüchtern. "Sie haben es von Anfang an gemacht und nicht aufgehört", sagte Martin Mubanga, der im Jänner aus Guantanamo entlassen worden war. Etwa 200 Menschen hatten sich vor der US-Botschaft versammelt. Sie riefen "Tötet George Bush" und "Bomben auf New York". Viele der Demonstranten hatten ihre Gesichter mit Kopftüchern verhüllt.

In Nablus im Westjordanland strömten 2.500 Hamas-Aktivisten aus einer Moschee und riefen zum Kampf gegen die USA und Israel auf. Viele von ihnen hielten den Koran in die Luft und schworen, für das Heilige Buch sterben zu wollen. Der Prediger Maher Haras forderte von Washington eine Entschuldigung für die Schändung des Korans. Dass das US-Magazin "Newsweek" seinen Bericht darüber inzwischen zurückgezogen hat, führte er allein auf den Druck der US-Regierung zurück. "Diejenigen, die auf dem Koran herumtrampelten und ihn ins Klo schmissen, müssen bestraft werden. Sonst gibt es einen Aufstand der muslimischen Welt."

In Mogadischu in Somalia protestierten ebenfalls tausende Moslems. Nach Einschätzung einiger Beobachter handelte es sich um die größte Demonstration seit dem Zusammenbruch der Zentralregierung im Jahr 1991. Organisiert wurde die Kundgebungen vom Dachverband der Religionsgelehrten und dem Verband Islamischer Gerichte. Die Kleriker kontrollieren eigene Milizen, die die Demonstranten begleiteten. (APA/AP)

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