Europaweit einzige Sauerstoffisotop-Anlage bei Graz eröffnet

30. Mai 2005, 13:05
posten

Für seltene O-18-Isotope - Ausgangssubstanz für nuklearmedizinischen Tracer

Graz - Die erste europäische Anlage für die Produktion der im Bereich der bildgebenden Diagnostik wichtigen Sauerstoff-Isotops O-18 wurde am Freitag in Seiersberg südlich von Graz eröffnet. Die Anlage produziert die Ausgangssubstanz für die Herstellung nuklearmedizinischer Pharmazeutika aus herkömmlichen Wasser. Die Moleküle werden in einem 15 Meter hohen Turm, in dem sich zwölf Destillationssäulen befinden, herausdestilliert.

Betreiber der Anlage ist ein Spin-Off-Unternehmen (Atalante) von Iason Labormedizin GmbH &Co KG. Das Unternehmen mit Sitz in Seiersberg ist nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich der PET-Pharmazeutika. Dies sind radioaktive Arzneimittel für die Positronenemissionstherapie. Am europäischen Markt werden jährlich um die 60 Kilogramm dieser Substanz benötigt. Bis zu fünf Kilo will man künftig in Graz-Seiersberg produzieren.

Für die Produktion von Pharmazeutika für den nuklearmedizinischen Bereich wie die Positronenemissionstomografie (PET) wird als Ausgangssubstanz mit dem Isotop Sauerstoff-18 (O-18) angereichertes Wasser benötigt. In der Natur kommt dieses Isotop zu zwei Prozent im Wasser vor. In Seiersberg versucht man nun durch Vakuumdestillation, aus dem Wasser jene Moleküle bei Unterdruck unter 70 Grad Celsius in langwierigen Destillationsschritten in großen Mengen zu gewinnen. Für einen Liter mit O-18 angereichertem Wasser braucht man rund 2.500 Liter destilliertes Wasser. Das Know-how beziehen die Grazer Betreiber vom nationalen Schweizer Forschungsinstitut PSI (Paul-Scherrer-Institut), das das Grazer Projekt auch ein Jahr lang begleitet.

Weiterverarbeitung in Linz und Klagenfurt

Die Produktion der radioaktiven Arzneimittel selbst erfolgt dann durch weitere Tochterunternehmen (Argos) in Klagenfurt und Linz. Dabei handelt es sich in erster Linie um Markierungssubstanzen, so genannte Tracer, für die man möglichst kurzlebige und keine wesentliche Strahlenbelastung verursachendes Radionuklide als "Spürsubstanz" für dessen Verfolgung im Organismus verwendet. Sie werden im Bereich der Onkologie zur Früherkennung von Metastasen und der Neurologie (u.a. Alzheimer-Diagnose) angewendet.

Zur Zeit halte man in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien die Marktführerschaft, hieß es. Allein in Österreich würden die kurzlebig radioaktiven Arzneimittel für jährlich rund 3.000 Krebspatienten gebraucht. In Ungarn und den Balkanstaaten seien die Produkte ausschließlich von Iason verfügbar. (APA)

Share if you care.