Voodoo-Ökonomie

12. Juli 2005, 15:31
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Der Schuldenberg der Asfinag wird 2015 mindestens zwölf Milliarden Euro hoch sein, wahrscheinlich sogar 15 - und einem Großteil davon stehen keine Einnahmen gegenüber

Keine neuen Schulden. Der Trommelwirbel, mit dem diese Parole vor fünf Jahren ausgegeben wurde, ist uns noch im Ohr. Bewirkt hat er zwar wenig, denn das viel gepriesene Nulldefizit war eine Eintagsfliege, und deren Nützlichkeit geht bekanntlich gegen null. Auch die Inserate, mit denen die Schuldenfreiheit der Verstaatlichtenholding ÖIAG gefeiert wurde, sind uns noch gut in Erinnerung.

Gegen die Miesen, die mit Straßen- und Bahnausbau in den nächsten Jahren eingefahren werden, sind die paar Milliarden ÖIAG-Schulden allerdings ein eingefrorener Posthornton.

Natürlich ist es gut, dass Österreichs Verkehrswege ausgebaut und sträflich vernachlässigte Verbindungen zu den neuen EU-Nachbarländern (endlich!) geschlossen werden. Auch die arbeitsmarktpolitischen Effekte sind zu begrüßen, je mehr Menschen in Erwerbsarbeit stehen, desto besser für die Volkswirtschaft. Und es ist auch klar, dass eine Autobahn nicht binnen Jahresfrist Renditen abwirft.

Kostenwahrheit

Ein bisschen Kostenwahrheit darf sich der p. t. Steuerzahler aber doch wünschen. Was da verschleiert und getrickst wird, geht nicht einmal auf die berühmte Kuhhaut. Dabei ist die nackte Wahrheit einfach: Gebaut wird auf Pump. 2015 wird der Schuldenberg der staatlichen Autobahngesellschaft Asfinag mindestens zwölf Milliarden Euro hoch sein - wahrscheinlich sogar 15 - und einem Großteil davon stehen keine Einnahmen gegenüber. Rechnerisch ist dieser nach altem Geld 200 Milliarden Schilling hohe Berg frühestens 2050 abgetragen.

Da ist es fast schon wieder originell, dass Vizekanzler Hubert Gorbach die Asfinag "auf gutem Weg" sieht. Gut für wen, fragt sich nur. Über so viel Voodoo-Ökonomie darf sich die Privatwirtschaft, in die er hoffentlich bald wechselt, jetzt schon freuen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.5.2005)

Von Luise Ungerboeck
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