Gerüchte über Einlenken Irans im Atomstreit

24. Mai 2005, 19:57
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Präsidentschafts­kandidat Rafsandjani: Kein Verzicht, aber auch kein Interesse an einer Konfrontation

Teheran/Brüssel - Wenige Tage vor einem entscheidenden Treffen zwischen Iran und den Außenministern der EU-3 (Großbritannien, Frankreich, Deutschland) zum Atomstreit gab es am Freitag Gerüchte um einen iranischen Kompromissvorschlag. Demnach könnte Teheran bereit sein, die entscheidende letzte Phase der Urananreicherung nicht selbst, sondern von Russland ausführen zu lassen.

Ort und Zeitpunkt des bevorstehenden iranisch-europäischen Treffens hatten sich zuvor ständig geändert, am Freitag hieß es, es werde am kommenden Mittwoch in Genf stattfinden.

Ali Akbar Hashemi Rafsandjani, früherer iranischer Präsident und aussichtsreicher Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im Juni, hat sich erstmals in einem Interview zum Atomstreit geäußert. Ein Verzicht auf die Urananreicherung käme nicht infrage, "das wäre so, als würden wir einen Teil unseres Territoriums abtreten", sagte er in einem Interview. Rafsandjani sagte aber auch, er wolle das Vertrauen des Westens gewinnen und verhindern, dass aus dem Atomstreit eine militärische Konfrontation mit den USA werde.

Aus den USA kam die Aufforderung an den Iran, in der Region ein "stabilisierenderes Verhalten" an den Tag zu legen. Die Iraner sollten sich außerdem nicht als "immun gegenüber großen Veränderungen" betrachten, die derzeit in der Region vorgingen, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice, die die Vorwürfe der US-Regierung wiederholte, der Iran würde sein Atomprogramm zur Erlangung von Waffen verfolgen.

Im Iran selbst zeichnet sich ein harter Wahlkampf zwischen Rafsandjani und seinen stärksten Mitbewerbern, dem früheren Rundfunkchef Ali Larijani und Exparlamentspräsident Mehdi Karrubi, ab. Mehrere konservative Gruppen haben am Dienstag beschlossen, Larijani zu unterstützen. Die anderen konservativen Kandidaten wurden aufgefordert, zu seinen Gunsten auf eine Kandidatur zu verzichten.

Karrubi, der in den Umfragen hinten liegt, hat in einem in ungewöhnlich scharfem Ton verfassten offenen Brief Rafsandjani vorgeworfen, während seiner Präsidentenzeit die intellektuelle Elite des Landes und die Medien unterdrückt zu haben. Er wird inzwischen von einer Gruppe iranischer Journalisten favorisiert und sogar wahltaktisch beraten.

Steigende Aktien

Nach neusten Umfragen liegt die Bereitschaft an der Wahl teilzunehmen weiterhin unter 50 Prozent. Die Aktien an der Teheraner Börse haben aber sehr positiv auf die Kandidatur von Hashemi Rafsandjani reagiert und innerhalb kurzer Zeit sind die Kurse mancher Aktien sogar um bis zu 30 Prozent gestiegen. (logh, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2005)

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