Auf dem Papier und auf der Straße

22. Mai 2005, 12:24
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Heiß wird's - Die Meteorologen versprechen dem 22. Vienna City Marathon am Sonntag 26 Grad, noch dazu im Schatten

Wien - Natürlich ist er am Freitag im Hotel Crowne Plaza in Wien-Donaustadt aufgetaucht, der freundliche ältere Herr, der immer dann zur Stelle ist, wenn ein Sportler nach Wien kommt, der irgendwann irgendwo eine Medaille gewonnen hat. Der Herr sammelt Autogramme solcher Sportler, mehrere Tausend Unterschriften nennt er sein Eigen, am Freitag ist die Unterschrift des Südafrikaners Josiah Thugwane hinzu gekommen, der hat 1996 in Atlanta den olympischen Marathon gewonnen.

Am Sonntag läuft Thugwane den 22. Vienna City Marathon. Er ist verletzungsbedingt zwei Jahre lang wenig gelaufen, keine Rede aber von einem Rücktritt. "Viele glauben", sagt er, "dass ich nichts mehr drauf habe. Aber ich weiß es besser, ich fühl mich gut." Eine Zeit unter 2:12 Stunden strebt er an, mit dem Sieg dürfte der 33-Jährige also nichts zu tun haben.

Die erste Gruppe wird wohl kenianisch dominiert sein. Auf dem Papier sieht es so aus, als könnten allein der Tansanier Zebedayo Bayo und der Äthiopier Tereje Wodajo einen Strich durch die Rechnung Kenias machen, das gleich vier Favoriten stellt - Vincent Kipsos, Japhet Kosgei, Boniface Usisivu und Samson Kandie, der im Vorjahr gewonnen hat. Seine zwei Wochen später geborene Tochter hat Kandie übrigens "Vienna Kipchirchir" getauft. "Sie wird mich mein Leben lang an meinen Wien-Sieg erinnern."

Rennleiter Mark Milde tippt "auf Kosgei". Freilich liegt auch dessen Glanzzeit einige Jahre zurück, 1999 siegte er in 2:07:09 Stunden in Rotterdam, 2000 in 2:07:15 in Tokio. Manchmal machten ihm Gewichtsprobleme zu schaffen, 57 Kilogramm waren um drei zu viel. "Aber jetzt hab ich alles unter Kontrolle", sagt der 1,70 Meter große Mann.

Bei den Frauen ist die 28-jährige Kenianerin Florence Barsosio allein auf weiter Flur, sie hat eine Bestzeit von 2:27:00 Stunden (Fünfte New York 2000) zu Buche stehen und war heuer am 10. April in Paris in 2:27:18 Zweite. "Ich wollte in Wien eigentlich meine Bestzeit verbessern", sagt Barsosio, angesichts hoher Temperaturen und schwacher Konkurrenz aber dürfe man nicht zu viel erwarten.

Der Marathon wird zwischen 7 und 16 Uhr "laufend" für Straßensperren sorgen, auch die Wiener Linien verkehren nur eingeschränkt. (DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, Sonntag, 21./22. Mai 2005, fri)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Volle Straßen beim Vienna City-Marathon 2004, volle Straßen auch heuer.

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