Heil Deinem Kommen, Hl. Vater!

19. Juli 2005, 16:13
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"Das senile Haupt Albions erhob sich und bleckte seine faulen Zähne." - Schön gesagt - Aber wo kann man solche Perlen aufrechten Deutschtums ...

Das senile Haupt Albions erhob sich und bleckte seine faulen Zähne. Schön gesagt. Aber wo kann man solche Perlen aufrechten Deutschtums, aufgefädelt zu langen Phrasenketten, heute noch lesen? Oder diese: Aus der selben Schlangengrube kriechend versprühten (sic!) die US-Propagandamaschinerie ihr Gift. Gut ist auch die längst wieder fällige Kontrastierung: Während . . . sich Millionen Deutsche und mit ihnen Hunderte Millionen Christen in aller Welt über den neuen Papst freuten, erwachten im Lande der neuzeitlichen Bethlehemschen Kindsmörder von Dresden, also in London, die journalistischen Kreuzottern aus ihrem Schlaf.

Für den "Stürmer" klingt das zu kirchenfreundlich, der darf außerdem nicht mehr erscheinen, seit das Terrorregime der Political Correctness wahre Meinungsfreiheit ebenso brutal unterdrückt wie es anständige Nationalsozialisten verfolgt. Also kann es nur "Die Aula" sein, Das Freiheitliche Magazin. Dort haben sie den neuen Papst als einen der ihren entdeckt, und da galt es, ihn in dem freisinnigen Diskussionsorgan zunächst einmal gegen die britische Presse, von jeher Speerspitze eines stumpfsinnigen Antigermanismus, zu verteidigen, in der vom "Rottweiler Gottes", vom "Orthodoxen Großinquisitor" und vom "Hitlerjungen als Papst" die Rede war. Grund genug, mit dem Gruß Heil Deinem Kommen, Schützer der Frommen! zurückzuschießen.

Die Autoren der "Aula" haben es nämlich gar nicht gern, wenn die britische Presse vom "Hitlerjungen als Papst" schreibt, aber nicht einmal insgeheim sind sie doch saustolz auf diese Vergangenheit: Als Hitlerjunge und Flakhelfer schützte er sein Volk vor dem anglo-amerikanischen Bombenholocaust! Das ist ihm zwar nicht ganz gelungen, sonst hätten die Entlarver des senilen Albions keinen Grund, bis heute über die Kriegsführung der anderen zu klagen, dennoch erhoffen sie sich von Joseph Ratzinger noch einiges: Kämpft er als Heiliger Vater nun entschlossen gegen den Babycaust?

Sie trauen es ihm jedenfalls zu, hat Ratzinger als Kardinal doch vor Jahren sogar einmal in der "Aula" einen Beitrag zum Thema "Freiheit und Wahrheit" geschrieben, wo er sich unter anderem mit dem seiner Ansicht nach falschen Freiheitsbegriff der Gegenwart beschäftigte. Diese Ansicht ist ja in der Kirche annähernd so häufig anzutreffen wie unter alten Nationalsozialisten, wenn es auch nicht immer auf dasselbe hinausläuft. Aber das muss man sich einmal vorstellen: Und ausgerechnet jetzt, wo in bezug auf das Jahr 1945 völlig ungerechtfertigtes Befreiungsgeschrei und Befreiungsgeschreibsel die Herzen verhärtet und die Hirne vernebelt, wurde der Aula-Autor und ausgewiesene Gegner der Befreiungstheologie zum Leidwesen dieser Kreise auch noch Papst! Da drängt sich einem "Aula"-Autor nur ein Schluss auf: Der Herrgott muss, wenn schon kein Nazi, so doch wenigstens ein Deutscher sein.

Und wenn nicht der Herrgott, dann ist wenigstens sein Stellvertreter auf Erden ein Deutscher. Von dieser Wunderwaffe gilt es, Gebrauch zu machen. Ehe pseudodeutsche Politiker nach Moskau krochen, um im trauten Verein mit Vertretern der Siegermächte am 9. Mai den 60. Jahrestag der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu feiern, ward dem gekreuzigten deutschen Volk vor aller Welt die moralische Wiedergutmachung, daß einer der Seinen zum geistlichen Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken und - nach Lehre der Kirche - zum Stellvertreter Gottes auf Erden berufen wurde.

Das wird die journalistischen Kreuzottern giften. Aber auch in Kardinal Graf Schönborn hat diese moralische Wiedergutmachung von oben überraschende Veränderungen zur Folge. Kaum aus Rom zurückgekehrt, war der Metropolitanbischof Österreichs wie ausgewechselt. Aus dem Saulus war ein Paulus geworden. Wie dieses, in Herrgotts Namen? Während der Verfasser dieses Artikels - ein gewisser Hans Hermann - den Kardinal in einem offenen Brief in der nationalkonservativen Wochenzeitung "Zur Zeit" vor etwa zwei Jahren ob seiner Kollaboration mit dem Zeitgeist tadeln zu müssen glaubte, scheint es nun, als habe sich der Kardinal besonnen und sich doch noch an die Seite des heiligen Marco d'Aviano gestellt.

O Hermann, sprich nur ein Wort, so wird die Seele des Kardinals gesund? Der "Aula"-Autor beansprucht diese Wandlung nicht allein für sich. Fast scheint es, als hätten die Atmosphäre Roms, der "Ewigen Stadt", und des Vatikans und die alten Riten des Konklaves die gräfliche Arroganz, vermengt mit einer gewissen Diplomatie und Lieblichkeit, in die brigantenhafte Angriffslust eines päpstlichen Notars des 14. Jahrhunderts Namens Cola die Rienzi verwandelt. Denn die Aussagen des Kardinals gegenüber dem ehemaligen Chefredakteur der "Presse" sind eine offene Kampfansage an die Kalergiebande der EU.

Brigant Schönborn di Rienzi im offenen Kampf gegen die Kalergiebande der EU - und alles nur, weil ein Hitlerjunge Papst geworden ist: Gegen die journalistischen Blindschleichen der "Aula" sind die journalistischen Kreuzottern des senilen Albions zutrauliche Wesen. (DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.5.2005)

Von Günter Traxler
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