Kurs auf raue See

20. Mai 2005, 18:08
17 Postings

Kanzler Wolfgang Schüssel sollte die Kraft, die aus der Ruhe kommt, speichern, solange er sie noch hat - von Samo Kobenter

Drei Wahlen im Herbst, bei denen sich BZÖ und/oder FPÖ im Wochentakt ihre Ohrfeigen abholen werden: Nach dem derzeitigen Stand der Umfragen kann man getrost eine Konstellation prognostizieren, die der Bundesregierung alles andere denn einen geruhsamen Jahresausklang verspricht.

In Wien winkt der SPÖ ein roter Oktober mit satten 50 Prozent der Stimmen, wobei das jüngsten Umfragen zufolge noch eher pessimistisch gerechnet sein dürfte. Die Grünen hätten demnach gute Aussichten auf den zweiten Platz, was ihre Sympathie für den Wahltermin ebenso erklärt wie die Abneigung der ÖVP, schon in vier Monaten wählen zu gehen. Die FPÖ muss um den Einzug in das Stadtparlament zittern, und das BZW vegetiert an der Wahrnehmungsgrenze: Kein Wunder, dass Michael Häupl guter Dinge in die Zukunft blickt.

Im Burgenland dürfte die SPÖ ebenfalls zulegen, in der Steiermark kämpfen SPÖ und ÖVP um den ersten Platz, wobei mit Gerhard Hirschmann ein Mitstreiter in der politischen Arena aufgetaucht ist, der nicht unbedingt als Stabilitätsgarant bezeichnet werden kann. Allein seine Überlegungen, es nach der Wahl vielleicht doch mit der SPÖ zu versuchen, versprechen unruhige Zeiten - auf Bundesebene noch mehr als auf Landesebene. Kanzler Wolfgang Schüssel sollte die Kraft, die aus der Ruhe kommt, speichern, solange er sie noch hat.

Denn bei diesen Wahlen wird vor allem dem BZÖ Jörg Haiders die erste ernst zu nehmende Überlebensprognose übermittelt. Sollte die so ausfallen, wie jetzt absehbar, wird sich Haider einiges einfallen lassen müssen, um nach dem nächsten Urnengang nicht endgültig weg zu sein. Und das wird dann die Nationalratswahl sein. Die Frage ist nur, ob bis dahin noch ein Herbst ins Land zieht. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2005)

Share if you care.