Tadic: Weder Serben noch Albaner entscheiden über das Kosovo

23. Mai 2005, 10:46
22 Postings

Serbischer Präsident: Unabhängigkeit der Provinz könnte Bosnien und Mazedonien destabilisieren

Belgrad - Der künftige völkerrechtliche Status der südserbischen Provinz wird "weder von den Serben noch von den Albanern entschieden werden". Dies betonte der serbische Präsident Boris Tadic in einem Interview mit der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug am Freitag. "Unsere Meinungen werden berücksichtigt werden, aber die Entscheidung wird von den internationalen Institutionen, in erster Linie dem UNO-Sicherheitsrat, gemacht werden."

Tadic räumte ein, dass sich das Kosovo seit Beginn der UNO-Verwaltung im Jahr 1999 immer stärker in Richtung Unabhängigkeit bewege. Serbien werde bei den Verhandlungen darauf bestehen, dass es zu keiner Grenzänderung kommen werde. Die internationale Gemeinschaft müsse berücksichtigen, dass eine mögliche Unabhängigkeit des Kosovo die Nachbarstaaten Bosnien-Herzegowina und Mazedonien destabilisieren könnte, "weil bestimmte Einheiten in diesen Ländern die gleichen Rechte verlangen könnten" wie sie die Kosovo-Albaner in diesem Fall erhalten würden.

Auf die Frage, ob die Kosovo-Albaner eine andere Lösung als die Unabhängigkeit akzeptieren würden, antwortete Tadic: "Man könnte genauso gut fragen, ob Serbien die Unabhängigkeit der Provinz akzeptieren würde." Er würde in dieser Frage mit der serbischen Regierung unter Ministerpräsident Vojislav Kostunica an einem Strang ziehen, betonte Tadic, der zugleich eine baldige Ablösung des Kabinetts forderte. Serbien brauche eine "stabile demokratische Regierung", die auf "demokratischen, fortschrittlichen, europäischen Werten" aufbaue, sagte der Politiker der oppositionellen Demokratischen Partei (DS) des vor zwei Jahren ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. (APA/Tanjug)

Share if you care.