Federer gegen die Sandplatz-Freunde

29. Mai 2005, 17:22
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Shooting-Star Nadal und Vorjahres­finalist Coria heiß auf einen Grand Slam-Titel - Muster: "Paris am schwersten für Federer zu gewinnen"

Wien - Der Favoritenkreis für die am Montag beginnenden, mit insgesamt 13,5 Mio. Euro dotierten, French Open ist bei den Herren recht eindeutig: Vorjahrs-Finalist Guillermo Coria (ARG) und Shooting-Star Rafael Nadal, der während des zweiten Grand-Slam-Turniers erst 19 wird, sind ganz heiße Anwärter auf den Titel und wohl die schärfsten Konkurrenten für Roger Federer. Der Weltranglisten-Erste hat es bei bisher sechs Teilnahmen nie weiter als bis ins Viertelfinale (2001) geschafft, drei Mal scheiterte er in Runde eins.

Coria sitzt der Stachel tief

"Coria schätze ich echt stark ein. Er versucht, alles gleich zu machen wie im Vorjahr und möchte keinen Fehler machen", weiß St. Pöltens Topstar Nikolaj Dawidenko. Dem kleinen Argentinier sitzt die Vorjahrsfinal-Niederlage in Paris nach einem denkwürdigen Match gegen seinen Landsmann Gaston Gaudio wohl immer noch wie ein Stachel in der Haut. Gaudio hatte ein scheinbar aussichtsloses Match nach 0:6,3:6-Rückstand noch umgedreht und die Sätze drei bis fünf mit 6:4,6:1,8:6 gewonnen. Zwei Matchbälle hatte Coria bei 6:5 im letzten Satz ausgelassen, Gaudio gewann das erste rein-argentinische Finalduell der Grand-Slam-Geschichte.

Auch Gaudio, der heuer immerhin schon drei Turniere gewonnen hatte, könnte in Paris wieder über sich hinauswachsen. Zum erweiterten Kreis gehörten freilich auch Andy Roddick (USA-3) und Marat Safin (RUS-4), wobei Letzterer 2002 immerhin schon im Semifinale stand, Roddick aber in vier Versuchen über Runde drei nicht hinauskam. Prominentester Ausfall bei den Herren ist Lleyton Hewitt, der wegen einer Rippenverletzung absagen musste.

Nummer eins will erste Runden überstehen

Für Federer zählt vorerst nur die erste Turnierphase. "Die vergangenen Jahre bei den French Open waren zu enttäuschend für mich, daher werde ich mich ganz auf die frühen Runden konzentrieren", sagte der vierfache Grand-Slam-Sieger nach seinem Titelgewinn am vergangenen Sonntag in Hamburg. "Aber wenn ich einmal richtig in Fahrt komme, werde ich in Roland Garros richtig gefährlich", versprach Federer.

"Roger kann gewinnen, aber er ist aus ein paar Gründen nicht mein Topfavorit. Aber nur wenn alles für ihn läuft und auch das Wetter seinem Spiel entgegenkommt", meinte Österreichs Daviscup-Kapitän in einem BBC-Interview zur Ausgangslage für Federer. "Die argentinischen und spanischen Spieler werden ihn aber viel laufen lassen. Es ist die Frage, wie viele Fehler und auch unerzwungene Fehler er macht. Er ist natürlich im Stande, dort zu gewinnen, aber die French Open sind für ihn am schwersten zu gewinnen", so Muster.

Fiter als Sampras

Ein Ivan Lendl konnte nie in Wimbledon, ein Pete Sampras nie in Paris gewinnen. Droht Federer womöglich in Roland Garros ein ähnliches Schicksal? "Er ist ähnlich wie Pete, aber ich glaube, Roger hat eine bessere Ausdauer als Pete je hatte", sagte der frühere French-Open-Sieger, dessen Titelgewinn sich heuer zum zehnten Mal jährt.

Bei den Damen ist wohl die wieder erstarkte Justine Henin-Hardenne eine der heißesten Anwärterinnen. Die Belgierin kommt mit der Empfehlung von drei Turniersiegen en suite in Charleston, Warschau und Berlin an die Seine. "Paris war immer etwas Spezielles für mich. Ich habe dort mein bestes, aber auch mein schlechtestes Tennis gespielt", sagte Henin-Hardenne.

Kleiner Kreis bei den Damen

Eine ihrer Herausfordererinnen wird Maria Scharapowa sein, die zuletzt zwei Mal am Versuch, die neue Nummer eins im Damentennis zu werden gescheitert ist. Die hübsche Russin glaubt, dass sie sich auf Sand schon gesteigert hat. "Aber so etwas passiert nicht über Nacht. Du bist nicht plötzlich 'superman' und gewinnst alles", meinte sie lachend. Ihre Landsfrau, Titelverteidigerin Anastasia Myskina, hatte zuletzt Schulterprobleme. Serena Williams, die Nummer vier der Welt, hat am Tag der Auslosung wegen einer Knöchelverletzung abgesagt.

Die Weltranglisten-Erste, Lindsay Davenport, hat vor sechs Jahren zuletzt das Viertelfinale in Paris erreicht. Ob sie ihre Major-Sammlung komplett machen kann, darf aber bezweifelt werden. (APA)

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