Wirtschaft bei Streichung der Zuverdienst-Grenze skeptisch

20. Mai 2005, 19:47
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Für Kopf ist Anhebung vorstellbar - Amon denkt an "Familienbesteuerung"

Wien - Nach der ÖAAB-Frauenchefin Gertrude Brinek hat sich am Freitag auch ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon für die Abschaffung der Zuverdienstgrenze (14.500 Euro) beim Kindergeld ausgesprochen. Beim VP-Wirtschaftsbund stößt man damit aber noch nicht auf volle Unterstützung. Generalsekretär Karlheinz Kopf sprach sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Amon aber immerhin auch für eine Anhebung der Grenze aus.

"Frage der Finanzierbarkeit"

Wenn man die Wahlfreit der Frauen wolle, dann müssten die Zuverdienstmöglichkeiten "im Grund nach oben hin offen sein", sagte Amon. Bei der generellen Abschaffung der Zuverdienstgrenze zeigte sich Kopf wegen "der Frage der Finanzierbarkeit" skeptisch. Eine Anhebung sei aber "prinzipiell zu begrüßen". Er sieht bei der jetzigen Regelung ein Problem der "Durchlässigkeit" bzw. beim Wiedereinstieg. Eine zu lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt senke die Marktchancen der Frauen, meinte Kopf.

"Familienbesteuerung"

Amon brachte auch die Idee einer "Familienbesteuerung" vor. Ein Alleinverdiener mit einem Bruttoeinkommen von 2.500 Euro zahle derzeit 431 Euro Lohnsteuer. Verteile sich das gleiche Einkommen auf zwei Personen im Haushalt, dann belaufe sich die Lohnsteuer aber nur auf 38 Euro pro Person. Amon schlug daher die Schaffung eines steuerfreien Existenzminimums pro Familienmitglied vor. Zu diskutieren sei freilich noch, ob der Steuerfreibetrag bei Kindern jeden Alters gleich sein müsse. An eine Umsetzung des Vorschlags in dieser Legislaturperiode glaubt Amon zwar nicht, ein Modell solle aber für künftige Koalitionsverhandlungen erarbeitet werden. Kopf bezeichnete die Idee als "absolut nachvollziehbar", er teile sie.

Steuerliche Absetzbarkeit

Und schließlich brachte Amon noch einen weiteren familienpolitischen Vorschlag vor: Er sprach sich für die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten aus und forderte auch Absetzmöglichkeiten für Kleinbetriebe, die gemeinsam mit anderen Firmen Betreuungsplätze anbieten. (APA)

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