Stauschaun am Handy

30. Mai 2005, 10:15
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Tausende Österreicher informieren sich im Internet über die Verkehrslage - Das Service soll ausgebaut werden und auch aufs Handy kommen - Die Finanzierung ist offen.

Die Idee hört sich bestechend an: Kurz vor der Fahrt in die Arbeit bekommt man eine SMS, in der vor einem Stau gewarnt und eine Umleitung empfohlen wird. Oder man überzeugt sich mit einem Blick auf das Handydisplay selbst von der Verkehrslage auf der Autobahn, über die man fahren will. Der technischen Umsetzung dieser Vision kommt man ab Herbst einen Schritt näher, ob die Sache aber auch ein (finanzieller) Erfolg wird, steht noch in den Sternen.

Chance

Schon jetzt hat man die Chance, sich im Internet zu informieren, ob es sich auf der gewünschten Strecke staut. Eine Möglichkeit, die durchaus genutzt wird. "Im Vergleich zum Vorjahr sind die Seitenaufrufe um 200 Prozent gestiegen", berichtet Karl Katoch von der Wiener Magistratsabteilung 46. Bis zu 50.000 Mal pro Tag würden die kostenlosen Seiten mit den Bildern aus Verkehrskameras in Wien aufgerufen, betont der Projektleiter.

Auch der Autobahnbetreiber Asfinag stellt im Netz den Zugriff auf Kameras zur Verfügung. "Wir verzeichnen pro Kamera einige tausend Zugriffe pro Tag, vor allem Berufsfahrer nutzen das Angebot", weiß Asfinag-Pressesprecher Harald Dirnbacher. Im Sommer sollen zur Urlaubssaison die Bilder auch via Handy abrufbar sein, ab Herbst soll daraus dann eine Dauereinrichtung werden. Auch für die Wiener soll es im Herbst eine mobiltelefonische Neuerung geben, kündigt Katoch an: zoombare Stadtpläne, auf denen die Hauptrouten je nach Verkehrsbelastung in rot, gelb oder grün eingezeichnet sind.

Bei der Asfinag wiederum überlegt man ein SMS-Service, um vor Staus zu warnen und Umleitungen anzubieten. Eine kleine Pilotanlage auf der Tauernautobahn hat es schon gegeben, die Ergebnisse werden noch ausgewertet. Realität kann die Sache aber frühestens mit dem 2010 erwarteten Ausbau der Telematikanlagen werden.

Nicht bereit

Dazu kommt die Frage der Finanzierung, gesteht Dirnbacher ein. "Der normale Autofahrer ist nicht bereit, dafür zu zahlen. Unsere Marketingabteilung überlegt daher mögliche Kooperationen."

Das Problem, für Stauinfos zu zahlen, wenn die auch gratis im Internet oder Radio verfügbar sind, sieht auch Karin Siebenhandl vom Telematikzentrum an der Donauuniversität Krems. Kommerziell erfolgreich werde es erst, wenn die Informationen personalisiert sind - und man etwa bei verstopften Stadteinfahrten zum nächsten Parkplatz und dann zur U-Bahn gelotst wird. "Bis dahin ist es aber noch ein weiter Schritt, da diese Daten noch nicht zusammengeführt werden." (Michael Möseneder , der STANDARD Printausgabe)

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