Asfinag will 2008 wirtschaftlich eigenständig sein

20. Mai 2005, 18:55
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Eigenkapitalquote soll binnen drei Jahren auf über 10 Prozent steigen - Kosteneinsparungen geplant - Ausbaupläne mit aktuellen Maut- und Vignetten-Tarifen finanzierbar

Wien - Die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag will in den nächsten drei Jahre die wirtschaftliche Eigenständigkeit erreichen. Wie Asfinag-Finanzchef Christian Trattner am Donnerstagabend vor Journalisten erklärte, soll die Eigenkapitalquote (d.h. der Eigenkapitalanteil an der gesamten Bilanzsumme) auf rund 10 Prozent ansteigen.

Mit einer Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent gilt ein Unternehmen in der Regel als insolvent. Die Eigenkapitalquote der Asfinag liegt derzeit bei 3 Prozent. Nur weil der Bund per Gesetz die Haftungen für die Asfinag-Schulden übernimmt, bekommt die Autobahngesellschaft nach wie vor niedrig verzinste, neue Kredite.

Schulden werden weiter steigen

In ihrer Bilanz weist die Asfinag per 31.12.2004 rund 9 Mrd. Euro langfristige Schulden aus. Bis 2016 werden die Schulden der Asfinag voraussichtlich auf 13 Mrd. Euro weiter ansteigen.

Möglich werde die Verbesserung der Eigenkapitalstruktur erst durch die im Vorjahr eingeführte Lkw-Maut, begründet Trattner die bisher schwache Kapitalausstattung. In den nächsten Jahren will die Autobahngesellschaft ihre Maut- und Vignetteneinnahmen daher verstärkt in den Eigenkapitalaufbau leiten. Damit begründet der Vorstand auch, warum die Asfinag nicht wie ursprünglich geplant 2013, sondern erst 2016 beginnen wird, ihre Schulden zurückzahlen.

Ob die Asfinag dann bis 2048 oder erst bis 2055 komplett entschuldet wird, hält Trattner für eine rein "fiktive Diskussion". Ein Infrastrukturunternehmen wie die Asfinag werde man "niemals rein eigenfinanzieren".

Kostenreduktion

Die eigenen Kosten will die Asfinag mittelfristig um 10 Prozent reduzieren. Wie viele der derzeit knapp 2.550 Mitarbeiter (inklusive Landesbedienstete der Autobahnmeistereien) im Rahmen dessen abgebaut werden müssen, ließ Trattner offen. Die derzeitige Rate von 1,2 Mitarbeitern pro Autobahnkilometer soll aber in jedem Fall reduziert werden.

Wesentlicher Schritt zur Kostenreduktion wird laut Asfinag-Vorstand Franz Lückler die Integration der Autobahnmeistereien und damit des gesamten Autobahnbetriebs in die Asfinag sein, die die Autobahngesellschaft bisher von den Ländern zugemietet hat. Die Abwicklung des Autobahnbetriebs soll im Rahmen dessen von 48 auf 27 Autobahnmeistereien konzentriert werden.

Bisher ist nur der Autobahnbetrieb von Tirol und Vorarlberg in die Asfinag übernommen worden. Dort hält die Asfinag bereits 51 Prozent an der Betriebsgesellschaft ASG (Alpenstraßen GmbH). Alleine diese Integration habe 2,5 Mio. Euro Synergien gebracht, sagt der Vorstand.

Drei weitere Asfinag Service Gesellschaften

Bis 1. Mai 2006 sollen nun drei weitere Asfinag Service Gesellschaften Nord, Süd und Ost gegründet werden. Oberösterreich und Salzburg wollen sich an ihrer Asfinag Nord mit jeweils fünf Prozent beteiligen. Mit den restlichen Bundesländern sollen die Verhandlungen im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden. Maximal will die Asfinag 49 Prozent der Betriebsgesellschaften an die Länder abgeben. Eine Komplettabgabe der Asfinag West samt Mauthoheit für die Region, wie von Tirol vorgeschlagen, kann sich Finanzchef Trattner nicht vorstellen.

Die Einnahmen aus Lkw-Maut und Pkw-Vignette sollen heuer weitgehend konstant bleiben. Bei der Pkw-Vignette erwartet die Asfinag heuer 307 (2004: 304) Mio. Euro Erlöse, bei der Lkw-Maut 760 (759) Mio. Euro. Hintergrund: Der Lkw-Verkehr dürfte heuer nicht signifikant steigen. Vor allem im Ost-West-Verkehr würden Lkw zunehmend großräumig über Tschechien ausweichen, so Trattner.

Auf die Frage, ob es im nächsten Jahr eine generelle Erhöhung der Lkw-Maut bzw. der Pkw-Vignette geben werde, verwies der Vorstand auf das Verkehrs- und Finanzministerium. Diese würden die Entscheidungen treffen. Die Asfinag könne mit den bestehenden Einnahmen die derzeitigen Ausbaupläne bis 2018 finanzieren. Was bei gleich bleibenden Tarifen allerdings dann nach 2018 passieren würde, ließ der Vorstand auf Nachfrage unbeantwortet. Nur so viel: Die Investitionen würden der Erlössituation angepasst. (APA)

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    Die Eigenkapitalquote der Asfinag soll binnen drei Jahren auf über 10 Prozent steigen.

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