Erstmals Embryo in EU geklont

20. Mai 2005, 19:41
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Kaum hatten Südkoreaner berichtet, erstmals Stammzellen von Kranken geklont zu haben, präsentierten Briten den ersten Klonembryo der EU

London/Seoul - Die Meldungen über erfolgreiche Klonversuche mit menschlichen Zellen überschlagen sich. Freitag wurde bekannt, dass britische Forscher erstmals in der EU menschliche Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen geklont haben. Nur einen Tag zuvor hatten südkoreanische Wissenschafter verkündet, dass sie bereits einen Schritt weiter seien. Wie berichtet, hatten sie zum ersten Mal gezielt Stammzellen von Patienten durch Klonen hergestellt.

Das Prinzip funktioniert, vereinfacht beschrieben, so: Aus einer menschlichen Körperzelle wird das Erbgutmolekül (DNA) herausgenommen. Dieses wird dann in eine unbefruchtete Eizelle, deren Erbmaterial zuvor entfernt wurde, eingesetzt. Mithilfe chemischer Substanzen bringt man diese Eizelle dazu, sich zu teilen. Und zwar so lange, bis sie das frühembryonale Stadium eines kleinen Zellhaufens erreicht. Aus diesem Embryon (siehe Foto) können dann die begehrten Stammzellen entnommen werden - undifferenzierte Zellen, die noch das Potenzial haben, sich zu irgendeinem der gut 200 verschiedenen Gewebetypen des Menschen zu entwickeln - etwa zu Nervenzellen, die Parkinsonpatienten oder Querschnittgelähmten helfen könnten, zu Insulin produzierenden Zellen für Diabetiker und zu anderen. Ethisch umstritten ist das Verfahren, weil für die Gewinnung dieser Stammzellen die Embryonen vernichtet werden.

Das Team um Hwang Woo Suk von der Nationalen Universität in Seoul hatte bereits vor einem Jahr weltweit erstmals einen menschlichen Embryo geklont. Nun jedoch nahmen die Forscher gezielt DNA aus Hautzellen von unheilbar Kranken und setzten sie eigens dafür gespendeten Eizellen junger Frauen ein. Aus den so geklonten Embryonen gewannen sie Stammzellen, deren Erbgut mit jenem der Patienten ident ist - bei einer Therapie käme es zu keinerlei Abstoßungsreaktionen. Von einer praktischen Anwendung ist derzeit aber noch keine Rede: Die Zellen müssen erst einmal dazu gebracht werden, nicht in Tumorzellen zu entarten und sich zum gewünschten Gewebe zu entwickeln.

Das britische Team um Miodrag Stojkovic von der Newcastle University verwendete die DNA von Stammzellen aus Embryonen, die bei der künstlichen Befruchtung übrig geblieben waren. In Eizellen eingesetzt, schufen sie die ersten vier europäischen Klonembryonen - drei überlebten drei Tage, der vierte fünf. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.05.2005)

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    Einer der vier in einem Labor in Newcastle geklonten menschlichen Embryonen (drei Tage alt). Großbritannien ist das erste EU-Land, das nun humane Embryonen geklont hat.

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