NÖ: Kasse will Arzthonorar kürzen

21. Mai 2005, 19:19
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Vertragsloser Zustand zwischen Gebietskrankenkasse und Ärzten nicht ausgeschlossen

St. Pölten - Das niederösterreichische Gesundheitswesen kommt nicht zur Ruhe. Nach den Problemen mit der neuen Rettungsleistelle droht nun ein vertragsloser Zustand zwischen Gebietskrankenkasse und Ärzten. Anlass dazu war der Obmann der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK), Gerhard Hutter. Er dachte für ein Zeitungsinterview laut über Einsparungsmöglichkeiten für seine Kasse nach und verlangte eine zehnprozentige Honorarkürzung bei den Ärzten.

Ärztekammer besteht auf Einhaltung der Verträge

In den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) hatte Hutter davon gesprochen, dass die Ärzte "ihren Beitrag zur Sanierung" des Krankenkassendefizits leisten müssen. Die NÖ Ärztekammer besteht jedoch "auf die Einhaltung unserer Verträge", so Präsident Lothar Fiedler.

Die Krankenkasse wendet nach Darstellung ihres Obmanns jährlich 360 Millionen Euro für ärztliche Leistungen auf. Können zehn Prozent dieser Kosten eingespart werden, hätte die NÖGKK schon fast die Hälfte ihres Jahresdefizits hereingebracht. Hutter ist es mit seiner Forderung so ernst, dass er einen vertragslosen Zustand hinnehmen würde.

"Wenn die Krankenkasse das medizinische Niveau in der Versorgung unserer Bevölkerung tatsächlich herunterdrücken möchte, so werden sie in uns Ärzten keine Partner finden", blieb Fiedler in seiner ersten Reaktion hart: "Qualitative Medizin und ärztliche Leistungen kosten Geld. Wenn die Krankenkasse das Ende einer hochwertigen Medizin in NÖ anstrebt, soll sie dies in der Öffentlichkeit kundtun."

Facharzt im Visier

"Die Ärzte in Niederösterreich liegen punkto Verdienst im Bundesländervergleich an erster Stelle. Solange wir uns das leisten konnten, war das kein Problem. Jetzt sind unsere Töpfe allerdings leer", richtet ihm Hutter in einem anderen Interview aus. Und weiter: "Nicht mehr akzeptabel sind für uns vor allem die Honorare der Fachärzte, allen voran in den teuren Bereichen Radiologie, Interne, Orthopädie und Augen. Darin steckt Einsparungspotenzial."

Für den Ärztekammer-Präsidenten ist eine Honorarkürzung kein Thema: "Das Gesundheitswesen ist kein Bazar, wo man - je nach Lust und finanzieller Lage - um ärztliche Honorare feilschen kann."

Für die bei der Gebietskrankenkasse versicherten Patienten bedeutet ein vertragsloser Zustand mit den Ärzten, dass sie Honorarnoten der Mediziner bezahlen müssen. Diese Rechnungen können dann bei der Kasse eingereicht werden, ein Teil der Ausgaben wird ersetzt - die volle Honorarhöhe möglicherweise aber nicht. (APA, red, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Mai 2005)

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